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„Ich habe den Herrn gesehen“

Freunde machten mich vor ein paar Tagen auf dieses Bild aufmerksam. Es ist eine Radierung von Thomas Zacharias, 1984 entstanden.

Das Bild ist in seiner Struktur sehr einfach. Drei Bildzeichen genügen dem Künstler:

Eine dunkle Form von aneinander gedrückten Personen, die dicht an dicht zusammenhocken, geht von rechts durch die Bildmitte. Ihre nach links gewandten Köpfe über hochgezogenen Schultern und eingezogenen Hälsen zeigen einen verzweifelten, perspektivlosen Gesichtausdruck.

Diese Personen zeigen die Jünger nach der Hinrichtung Jesu. Der Schock über seinen schändlichen Kreuzestod und die Angst um die eigene Zukunft lässt sie erstarren. Nichts scheint mehr da zu sein, von dem, was sie mit diesem Jesus von Nazareth erlebt und geteilt haben, was sie mit ihm verbunden hat. Keine Vision vom Aufbau des Reiches Gottes. Kein Gedanke an Leben in Fülle. Selbst das Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“(Mt 16,16) gerät aus dem Blick.

Doch diese schwerfällige Gruppe der Jünger wird plötzlich konfrontiert mit der vehementen Dynamik einer Frau. Von links stürmt die Gestalt von Maria Magdalena ins Bild. Eine lichte Gestalt mit klarem Profil, energischen Gesichtszügen und zielgerichtetem Blick.

Ihre riesig große Kontur macht einerseits ihre Bedeutung in der Anhängerschaft Jesus deutlich und weist andererseits darauf hin, dass sie den Jüngern eine Botschaft mitzuteilen hat, die das Leben total verändert, die aufrichtet, die aufstehen lässt gegen alle Hoffnungslosigkeit.

Die Botschaft, die sie verkündet, lautet: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh.20, 18).

Und dieses Sehen geht über das, was mit den Augen wahrzunehmen ist, hinaus. Es ist ein Erkennen, es ist die Erfahrung, dass der am Kreuz gestorbene und begrabene Herr lebt, wahrhaft lebt!

In Maria Magdalena muss die Zeit mit Jesus tiefe, einprägsame Spuren hinterlassen haben, so dass sie offen ist, für die Begegnung mit dem Auferstandenen. Diese beglückende Erfahrung kann sie nicht für sich behalten. Sie muss sie mitteilen, damit Menschen eine neue Perspektive für ihr Leben finden.

Gemeindereferentin Bilinda Jungblut

Die Botschaft „Ich habe den Herrn gesehen“ weht im oberen Bilddrittel wie eine Welle über die Köpfe der dunklen Personen hinweg. Deren hoch blickenden Gesichter sind teilweise eingetaucht in Licht, doch sie wirken weiterhin eher verängstigt als froh.

Nach längerem Betrachten dieses Bildes habe ich mich gefragt, wo ist mein Platz, wo ist der Platz unserer Gemeinden im Pastoralverbund auf diesem Bild?

Ist er mehr in der dunklen Masse, die heute ängstlich auf eine kleiner werdende Gottesdienstgemeinde, auf Glaubensverlust und auf das Ende der Volkskirche schaut, die immer wieder und manchmal ausschließlich mit (notwendigen) strukturellen Fragen beschäftigt ist, die sich mit Recht über kirchliche Missstände ärgert, oder ist er mehr bei dieser begeisterten Frau? Dieser Frau, die sich nicht einengen lässt von dem, was gerade „in“ ist, sondern ihrer Begegnung mit dem Auferstanden traut.

Ist ihre befreiende und beglückende Osterbotschaft: „Ich habe den Herrn gesehen“ wirklich bei mir, bei unseren Gemeinden angekommen?

Findet diese Botschaft bei uns allen Widerhall im konkreten Leben?

 

Eure / Ihre Bilinda Jungblut, Gem.Ref.

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