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Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,

seit einiger Zeit stolpere ich bei den Gebeten zur Beerdigung über den kleinen Satz: „Wir bitten dich für unseren Bruder/unsere Schwester, den/die du aus dieser Zeit zu dir gerufen hast.“

Ist das nicht gemein? Wir wären alle und immer noch gerne mit unseren verstorbenen Angehörigen zusammen, aber Gott hat ihn/sie aus dieser Zeit zu sich gerufen.

Gott als derjenige, der unwiderruflich darauf achtet, wann unsere Zeit abgelaufen ist. Gott als derjenige, der unwiderruflich verfügt, wann unsere Stunde geschlagen hat.

Nein, das gefällt mir nicht. Das erinnert mich zu sehr an die allmächtig thronende göttliche Majestät, in deren Ratschlüsse wir uns fügen müssen. Das widerspricht mir zu sehr dem empfindsamen, mitfühlenden Vater, den ich durch Jesus Christus in der Heiligen Schrift kennengelernt habe. Ich glaube, dass Gott mir tröstend zur Seite steht und mit mir durch die Trauer geht, wenn ich mich von meinen Angehörigen verabschieden muss, und nicht unerreichbar und unbewegt über mir thront.

Und so habe ich über diesen Satz nachgedacht und ein Vergleich, zugegeben sehr profan, hat mich ihn neu verstehen lassen. Und vielleicht können Sie das nachvollziehen:

Wenn ich in Urlaub fliege in ein mir bis dahin unbekanntes Land, dann fühle ich mich bei der Ankunft unsicher und fremd. Wo muss ich hin, um mein Gepäck wiederzubekommen? Wo ist mein Hotel? Wie komme ich dahin?

Klar, es gibt genügend Hinweisschilder, die Hoteladresse hab ich auch. Ich käme schon allein zurecht. Aber es ist doch viel schöner, wenn ich den Reiseleiter entdecke, der mir all diese Fragen beantworten kann. Noch schöner ist es natürlich, wenn ich von einer vertrauten Person abgeholt werde, die sogar meinen Namen kennt.
„Fürchte dich nicht, denn ich erlöse dich; ich rufe dich bei deinem Namen: Mein bist du.“ (Jes 43, 1). Auch diesen Satz bete ich bei jeder Beerdigung. Und so kann ich auch den ersten Satz verstehen und annehmen.

„In dieser Zeit“ kenne ich mich aus. Aber wenn ich aus dieser Zeit herausgerufen werde, dann ist alles neu für mich, fremd, verunsichernd. Und in diese Verunsicherung hinein wird Gott mich bei meinem Namen rufen, damit ich mich nach dem Übergang nicht fürchten muss.

Das gilt für unsere verstorbenen Angehörigen, aber das gilt auch für mich als Trauernder. Auch das ist eine neue, ungewohnte Situation. Auch darin brauche ich jemanden, der mir hilft und mir Orientierung schenkt. Auch wenn ich trauere, gilt für mich der Satz:

„Fürchte dich nicht, denn ich erlöse dich, ich rufe dich bei deinem Namen: Mein bist du.“

Gott befiehlt uns nicht zu sich. Vielmehr heißt er uns willkommen.

Herzliche Grüße Ihr
Hubertus Rath

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