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Ich vergeben? Warum?

P. Elmar Maria Becker

Im Leben ist es oft so, viele Menschen haben Verletzungen und Kränkungen erfahren, bei denen sie sagen: „Das kann ich nicht vergeben. Unmöglich. Warum sollte ich auch? Die Schuld ist doch bei der anderen Person, dem Arbeitskollegen, der mich mobbt. Es war der Andere, der mich durch seine Bemerkung oder Blick verletzt hat“, …. usw..

Doch was würde Jesus dazu sagen? Wie ginge er damit um? Es gibt einen Text im Evangelium, der uns darauf eine Antwort gibt: „Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Jesus sagte zu ihm: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“Die Antwort Jesus entspricht sicherlich nicht unserer Vorstellung im Umgang mit Menschen, die sich uns gegenüber schuldig gemacht haben, denn er fordert von uns: Wir sollen immer und immer wieder vergeben, ohne Wenn und Aber. Also kein Zählen. Kein Kultivieren vonWut, Groll und Hassgefühlen. Jesus ist an diesem Punkt sehr klar, und die Frohbotschaft ist für uns eher unbequem und hart. Wir beten ja auch immer wieder: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“

Warum aber diese Forderung, diese Einladung zur Vergebung? Antwort: Weil die giftigen Pfeile der Bitterkeit, des Grolles, des Hasses, des ständigen Selbstmitleids und der Resignation den Verletzten selbst vergiften und nicht den Täter. Innerer Rückzug und der Abbruch von Beziehungen sind meist die Folgen. Mit anderen Worten, der Verletzte tut sich selbst weh.

Was bedeutet Vergebung nicht? Vergebung bedeutet nicht, das Verhalten der anderen Person zu entschuldigen, es bleibt schuldhaftes Verhalten des Anderen.

Vergebung bedeutet nicht unbedingt, dem anderen erneut zu vertrauen. Auch bedeutet Vergebung nicht Vergessen.

Und was bedeutet nun Vergebung? Vergebung bedeutet so viel wie, dass mir ein Unrecht wiederfahren ist, und ich jetzt bewusst darauf verzichte, von dem Täter eine vollständige Wiedergutmachung zu erhalten. Die Vergebung ist aktiv, denn ich entscheide mich zur Vergebung. Sie ist daher zuerst ein freier Willensakt: Ich will vergeben. Somit ist sie nicht zuerst eine emotionale Handlung, sondern eben ein Willensakt; ein Verzicht. Das bedeutet konkret, dass dabei die Gefühle auch entgegengesetzt sein können und dennoch entscheide ich mich zu vergeben. Vergeben bedeutet mich und meinen Schuldiger freigeben. Wie und wo freigeben oder abgeben? An Jesus, ans Kreuz. Der Ort der Heilung und Vergebung.

Wenn wir uns mit ihm verbinden und ihn um die Kraft der Vergebung bitten und ihn wirken lassen, kann er so manches in uns heilen: Die Empfindungen, Emotionen werden mit der Zeit gewandelt und kommen nicht mehr so schmerzend in uns hoch.

Wir lernen mit der Verletzung zu leben, ohne an ihr hängen zu bleiben. Sie hält mich nicht mehr gefangen, sondern ich kann damit umgehen und leben.

Wie schon erwähnt, Vergebung ist ein Weg und nicht immer einfach. Um ihn zu gehen braucht es Entschiedenheit, Ausdauer, und vor allem Gottes Kraft und Gnade, denn alleine sind wir zu schwach.

Nicht vergeben ist ein Beziehungskiller. Für das Leben in Gemeinschaft ist es daher immer wieder notwendig, nein lebensnotwendig, zu lernen, vergeben zu können.

Es lohnt sich diesen Weg zu gehen. Er führt zum inneren Frieden und später vielleicht auch zur Versöhnung.

Zusammenfassend: Wir tun uns selbst mehr Gutes, wenn wir vergeben, als jenem dem wir vergeben.

P. Elmar Maria Becker cb

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