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Ist das nicht der Sohn Josefs?

Diakon Guido Schütte

Seit der letzten Woche (24. Januar 2010) hören wir im Sonntagsgottesdienst aus dem Evangelium nach Lukas. Eben liest Jesus Christus, der sich nach seiner Rückkehr aus der Wüste innerhalb kürzester Zeit einen Namen als Prediger und Lehrer gemacht hat, in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret aus dem Buch des Propheten Jesaja:

„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; […] den Gefangenen die Entlassung […]; den Blinden das Augenlicht; […] und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Dann legt er der erwartungsvoll gespannten Synagogenversammlung die Schriftstelle kurz und bündig in diesem Sinne aus: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“.

Die Versammlung ist begeistert. So eine begnadete Rede! Und das ist einer von uns, der Sohn Josefs! Den halten wir uns schön hier, wo er hingehört, dann kann er für uns die großen Dinge tun, die er schon in Kafarnaum gewirkt hat!

Ob Jesus das überhaupt will oder darf, wird nicht erfragt, sondern einfach vorausgesetzt.

„Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Warum eigentlich nicht? Offenbar deshalb, weil den Menschen allein das vermeintliche Kennen (und Infragestellen!) „ihres“ Propheten als Rechtfertigung dafür ausreicht, dass sie das Verkündete nach Belieben verbiegen können. Deshalb verstehen die Synagogenbesucher auch nicht, dass er, der Christus (der Gesalbte), mit seiner Auslegung des Jesaja-Textes bezeugt, dass in ihm der Retter der Welt, und zwar der ganzen Welt, gekommen ist.

Jesus durchschaut diese Haltung sofort und macht den Fordernden klar, dass er keinerlei Verpflichtung sieht, ihnen in besonderer Weise Heil zukommen zu lassen. Wie genau er damit den Kern des Übels trifft, erkennen wir an der Wut der Bloßgestellten, die ihn daraufhin um jeden Preis loswerden und zum Schweigen bringen wollen. Eben noch war er „einer von uns“, und jetzt zeichnet sich der erste Hinweis auf den Kreuzestod Jesu ausgerechnet in seiner Heimatstadt ab.

Um die Handlung des Evangeliums nachzuvollziehen, müssen wir nicht bis nach Nazaret blicken. Dieser Bericht will uns ja gerade zeigen, wie wichtig es ist, die Menschen in unserer näheren Umgebung ernstzunehmen und das Vertraute nicht zu missachten. Es ist schlicht unchristlich, anderen so lange die eigenen Erwartungen aufzunötigen, bis sie erfüllt werden, statt selbst dafür gerade zu stehen.

Da gilt es, Würde und Achtung in – buchstäblich! – christlicher Weise wiederherzustellen, wie Jesus es am Ende des Evangeliums tut: Er geht aufrecht zwischen den Fordernden hindurch und läßt sie einfach stehen.


Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

 


 

Den gesprochenen Text dieses Beitrages finden Sie hier.

 

 

4. Sonntag im Jahreskreis C

Evangelium nach Lukas 4,21-30.

Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!

Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.

Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.

Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.

Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

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