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Josef, der „Gerechte“

Diakon Gottfried Rempe

Der Text des Evangeliums vom 4. Adventssonntag mutet uns einiges zu! Die Frage nach der Jungfrauengeburt taucht auf. Maria war doch erst verlobt, als sie ein Kind erwartete. War sie also ihrem Josef schon vor der Ehe untreu? War Maria eine „unzüchtige“ Frau? Nähmen wir den Text des Evangeliums wörtlich und legten ihn nach unserem heutigen Verständnis aus, könnte man auf solche Schlussfolgerungen kommen. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Recht und Brauch der Juden zu verstehen, wie sie zur Zeit der Entstehung der Texte galten.

Verlobung und Hochzeit zur Zeit Jesu dürfen wir nicht mit unserem Verständnis gleichsetzen. In unserer Sprache fehlt das passende Wort, um diese Stufen des Ehevertrages richtiger auszudrücken. Es war so, dass bereits die „Verlobung“ die Eheleute durchaus zu Gatten und Gattin machte, und zwar mit allen Rechten und Pflichten. So betrachtet war Untreue einer Verlobten dem Ehebruch gleichzustellen und ermöglichte die Ausstellung eines Scheidebriefes.
Zur Zeit Jesu war die richtige Zeit für die Verlobung einer Frau kurz vor Vollendung des 13.Lebensjahres. Ein Jahr später wurde die Frau, die bis dahin bei ihren Eltern blieb, „heimgeholt“, sie wurde in den „Besitz“ des Mannes übergeben. Ein Bild von einer solchen „Heimholung“ kennen wir aus Mt. 25,1-13. Das persönliche Verhältnis vom Mann zur Frau wurde als Besitzverhältnis gesehen. Die Frau ging aus dem Besitz ihres Vaters in den Besitz des Mannes über.

Matthäus stellt uns Josef als den Mann Mariens vor. Der Evangelist betont und sagt von Josef, dass er „gerecht“ war. Mit dieser Aussage betont der Evangelist die Einstellung Josefs zu Maria. Er wollte das tun, was er nach seinem Gewissen als gläubiger Jude Maria gegenüber als richtig erkannte und nicht das, was nach jüdischem Gesetz zu tun oder möglich wäre, nämlich sich von Maria zu trennen. Josef war mit Sicherheit ein schriftkundiger Zimmermann. Die außerordentliche Schriftgelehrsamkeit Jesu lässt diese Vermutung zu.

Man kann sogar sagen, dass Josef ein sehr undogmatischer, menschlich gesinnter, schriftkundiger Mann war, der Jesus auch in schriftkundigen Gesprächen auf seine Sendung als „Rabbi“ vorbereitete.

Der Konflikt zwischen dem Tun der Menschen und damit Gott gegenüber und dem mosaischen Gesetz wird in den Evangelien immer wieder angesprochen, hier wird er schon deutlich erkennbar. Es ist auch heute noch der Konflikt zwischen dem im Gewissen erkannten rechten Handeln und den Gesetzen der Staaten und auch Kirchen!

Josef wird für Gott ansprechbar durch sein ernsthaftes Überlegen und Bemühen, das vor Gott Richtige zu tun. Das gilt auch für uns. Auch wir werden für Gott und auch für unsere Mitmenschen nur dann ansprechbar, wenn wir das Gute und Richtige wollen und nicht einem blinden Gesetzesgehorsam folgen.

Matthäus drückt Gottes Sprechen zu Josef in einem damals geläufigen Bild aus, wenn er sagt: „Es erschien Josef ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“

Dass wir so wenig über den Daviden Josef erfahren, liegt daran, dass den Evangelisten der „Davide“ (aus dem Hause Davids) nur deshalb so wichtig ist, um die Davidsabstammung Jesu und damit ein wichtiges Messiaskennzeichen kundzutun. Josef war auf jeden Fall der gesetzliche Vater Jesu. Auf Geheiß des Engels gibt er ihm den vorgegebnen Namen. Der gesetzliche Vater wird zu einem Werkzeug des himmlischen Vaters. Hier berühren sich Himmel und Erde in dem „Sohn“, der sein Volk, und damit auch uns, von den Sünden befreit.

Ich wünsche Ihnen allen einen „besinnlichen Endspurt“ auf Weihnachten hin.

 

Gottfried Rempe, Diakon

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