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Jubiläum der Barmherzigkeit.

Pater Norbert Wientzek

Zuerst ein gesegnetes Neues Jahr.

Dieses Jahr ist ein besonderes, weil es ein Jubiläumsjahr ist, ein außerordentliches Heiliges Jahr. Die „normalen“ Heiligen Jahre werden alle 25 Jahre begangen, und viele von uns können sich noch an das letzte erinnern, weil es auch einen Wechsel in das dritte Jahrtausend bedeutete.

Anlass dieses außerordentlichen Heiligen Jahres ist der 50. Jahrestag des Abschlusses des 2. Vatikanischen Konzils. So dauert das Jubiläum der Barmherzigkeit vom 8. Dezember 2015 bis zum Christkönigsfest am 20. November 2016.

Das Heilige Jahr wurde von Papst Franziskus mit der Verkündigungsbulle „Misericordiae vultus“ angekündigt, und die deutsche Übersetzung beginnt mit dem Satz „Jesus Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters“. In der Bulle werden die verschiedenen Aspekte der Barmherzigkeit besprochen. Es werden viele Stellen der Heiligen Schrift erwähnt, viele davon aus dem Alten Testament.

Natürlich werden auch die Gleichnisse Jesu, seine Liebe zu den Armen, Kranken und Ausgestoßenen in Erinnerung gerufen. Schon auf der ersten Seite schreibt Papst Franziskus:

Jesus von Nazareth ist es, der durch seine Worte und Werke und durch sein ganzes Dasein die Barmherzigkeit Gottes offenbart. Dieses Geheimnis der Barmherzigkeit gilt es stets neu zu betrachten. Es ist Quelle der Freude, der Gelassenheit und des Friedens… Barmherzigkeit ist der Weg, der Gott und Mensch vereinigt, denn sie öffnet das Herz für die Hoffnung, dass wir, trotz unserer Begrenztheit aufgrund unserer Schuld, für immer geliebt sind.“

Die Barmherzigkeit soll auch unser eigenes Leben prägen. Das wird besonders im Gleichnis sichtbar, das Jesus als Antwort auf Petrus Frage “wie oft muss ich meinem Bruder verzeihen“ gibt. (Mt 18,22) Dieses Gleichnis sagt uns, dass Barmherzigkeit nicht nur eine Eigenart des göttlichen Handelns ist, sondern zum Kriterium wird, an dem man erkennt, wer wirklich seine Kinder sind.

Franziskus schreibt: „Wir sind also gerufen, Barmherzigkeit zu üben, weil uns selbst bereits Barmherzigkeit erwiesen wurde. Die Vergebung von begangenem Unrecht wird zum sichtbarsten Ausdruck der barmherzigen Liebe, und für uns Christen wird sie zum Imperativ, von dem wir nicht absehen können. Wie schwer ist es anscheinend, immer und immer wieder zu verzeihen! Und doch ist die Vergebung das Instrument, das in unsere schwachen Hände gelegt wurde, um den Frieden des Herzens zu finden.

Groll, Wut, Gewalt und Rache hinter uns zu lassen, ist die notwendige Voraussetzung für ein geglücktes Leben. Nehmen wir daher die Empfehlung des Apostels auf: ‚Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen' (Eph 4,26). Und hören wir vor allem auf das Wort Jesu, der die Barmherzigkeit zu einem Lebensideal und Kriterium für die Zeugnishaftigkeit unseres Glaubens gemacht hat: ‚Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden'. ist die Seligpreisung, von der wir uns mit besonderer Hingabe in diesem heiligen Jahr inspirieren lassen sollten.“

Die Verkündigungsbulle zum außerordentlichen Jubiläum der Barmherzigkeit „Misericordiae Vultus“ gibt auch einige praktische Hinweise, wie man dieses Heilige Jahr begehen kann.

Um barmherzig zu sein wie der Vater, müssen wir zunächst auf das Wort Gottes hören, meditieren und wieder den Wert der Stille entdecken lernen. Nur so ist es möglich, die Barmherzigkeit Gottes zu betrachten, sie anzueignen und zum eigenen Lebensstil werden zu lassen.

Besonderes Zeichen für dieses Heilige Jahr ist die Pilgerfahrt, weil einerseits das Leben selbst eine Pilgerreise ist, zum andern das Pilgern Opfer erfordert und Einsatz, was für Barmherzigkeit in besonderer Weise zutrifft. Der Papst lädt alle Katholiken ein, in diesem Heiligen Jahr über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachzudenken. Er zählt sie auch auf: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben.

Zu den geistigen Werken zählen: den Zweifelnden recht raten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, die Betrübten trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen und für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten. Zu Erinnerung: Im Gotteslob finden wir diese Werke mit anderer Wortwahl unter Nummer 29,3. Besonders empfiehlt der Papst das Sakrament der Versöhnung, vor allem in der österlichen Bußzeit. Die Beichtväter werden erinnert, die Gabe des Heiligen Geistes empfangen zu haben, um Sünden zu vergeben, und berufen, „immer, überall, in jeder Situation und, egal unter welchen Umständen, Zeichen des Primates der Barmherzigkeit zu sein“. Besondere Einladung zu Umkehr geht an Menschen, die zu kriminellen Vereinigungen gehören. Der Papst erinnert daran: „Keiner kann sein Geld mitnehmen ins Jenseits. Und Geld macht nicht wirklich glücklich, mächtig und unsterblich. „Früher oder später kommt für alle das Gericht Gottes, dem keiner entfliehen kann“.

Gleiche Einladung wird an Förderer und Komplizen der Korruption gerichtet. Korruption untergräbt das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft. Sie nimmt Menschen die Hoffnung auf die Zukunft, sie ist ein Verharren in der Sünde, die es darauf anlegt, Gott mit der Illusion der Macht des Geldes zu ersetzen.

Ich möchte diesen kurzen Beitrag über das heilige Jahr mit Auszügen aus dem dazu verfassten Gebet vom Heiligen Vater beenden (die Texte wurden in unseren Kirchen ausgelegt):

Herr Jesus Christus, du hast uns gelehrt, barmherzig zu sein wie der himmlischer Vater…

Lass uns dein Wort an die Samariterin hören, als sei es an uns persönlich gerichtet: „Wenn du wüsstest , wor in die Gabe Gottes besteht“…

Sende uns deinen Geist und schenke uns allen seine Salbung, damit das Jubiläum der Barmherzigkeit ein Gnadenjahr des Herrn werde…

P. Norbert Wientzek SVD

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