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Die Kalandsbruderschaft
an St. Saturnina, Neuenheerse

Die Kalandsbruderschaft ist eine kirchliche Vereinigung von Geistlichen und Laien zur Pflege gemeinsamen Gebetes und Gottesdienstes.

Kalandsbruderschaften entstanden im 13. Jahrhundert und gingen aus den Versammlungen der Dekanatsgeistlichkeit hervor, die am ersten Tag jeden Monats (lat.: Calendae) stattfanden. Nach diesem Versammlungstag gaben sie sich den Namen „Kalandsbruderschaft“. Sie wurden vorrangig in den Städten oder an Stiftskirchen gegründet, wo zahlreiche Geistliche ihren pastoralen Dienst versahen.

Das ehemalige Damenstift Heerse bot daher mit seinen 12 bis 16 Geistlichen und ebenso vielen Stiftsdamen die besten Voraussetzungen für die Stiftung eines Kalands. So geht die Neuenheerser Kalandsbruderschaft auf das Jahr 1350 zurück und besteht somit mehr als 660 Jahre.

Das ehemalige Kalandshaus

Für die Durchführung der Kalandstage nutzte die Bruderschaft bereits im 16. Jahrhundert ein eigenes Haus. Später (1610) wurde ein neues Haus nördlich des heutigen Ehrenmals gebaut.  Dieses Gebäude ist als „Kalandshaus“ (s. Foto) in seiner Grundsubstanz heute noch erhalten. Im Jahr 1829 schenkte die Bruderschaft das Gebäude der Gemeinde Neuenheerse, die es als Mädchenschule nutzte. Heute gehört das Gebäude einem privaten Eigentümer.

Als Mitglieder können nach einem festgelegten Verfahren Priester und Laien aufgenommen werden, wenn dadurch die vom Kapitel festgesetzte maximale Mitgliederzahl von 22 nicht überschritten wird. Dazu gehören intensive Vorgespräche mit dem Bewerber oder der Bewerberin und dem Kapitel, das letztlich entscheidet und seine Zustimmung geben muss. Vor der endgültigen Aufnahme ist eine Probezeit vorgesehen.

Heute gehören der Bruderschaft ein Bischof, 19 Priester und zwei Laien an. Sie wird geleitet durch den Kalandsdechanten, zur Zeit von P. Josef Klingele, Missionar vom Kostbaren Blut, in Neuenheerse. Seine Aufgabe ist es, die Gemeinschaft der Bruderschaft untereinander zu stärken und zu festigen.

Zweimal im Jahr – im Frühjahr am Mittwoch nach dem Weißen Sonntag und im Herbst am Montag nach dem Festtag des Hl. Michael – lädt er alle Mitglieder zum „Kaland“ ein. Das Treffen beginnt mit einem Festgottesdienst, dem Kalandsamt. Danach findet die „Kapitelsitzung“ statt, in der gemeinsam organisatorische und pastorale Fragen besprochen werden. Anschließend folgt ein gemütliches Beisammensein mit einem „Mahl“, bei dem als Tischlesung vom jüngsten anwesenden Mitglied aus dem Buch „Nachfolge Christi“ von Thomas v. Kempen vorgelesen wird. Nach dem Essen singt die Bruderschaft in der Pfarrkirche gemeinsam die Vesper und betet für ihre verstorbenen Mitglieder und Wohltäter das lateinische „Gratiarum actio“. Zum Schluss werden die Mitbrüder von den „Familiaren“ (zwei Frauen der Gemeinschaft) mit Kaffee und Kuchen beköstigt, bevor alle Teilnehmer wieder an ihre Wirkungsstätten zurückkehren.

 

Franz Becker

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