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Kein Glaube ohne Zweifel

Pater Michael Janmieling

An diesem Sonntag hören wir das Evangelium vom zweifelnden Thomas. Leider wird er überwiegend auch der „ungläubige“ Thomas genannt. „Wenn ich nicht sehe, dann glaube ich nicht“, sagt er ganz offen zu den anderen Jüngern. Trotz allem, mir ist er ein sympathischer Mensch, denn er zeigt uns, dass Zweifel und Glaube zusammengehören, und davon haben wir genügend Beispiele in der Heiligen Schrift. Dazu möge man sich nur einmal die Psalmen anschauen. Ich denke aber auch an die vielen Heiligen, die häufig mit schweren Glaubens-prüfungen zu kämpfen hatten. In ihren Biographien wurden allerdings oft diese Glaubenszweifel ein wenig ausradiert oder verschönert, denn so etwas scheint uns etwas unpassend für Heilige. Sie sollten doch eher „Zeugen des Glaubens“ sein. Aber wer von uns hätte vermutet, dass sogar eine Mutter Theresa mit ihrem Lächeln bis zum Ende ihres Lebens mit tiefsten Zweifeln an Gott zu kämpfen hatte?

Die Heilige Therese von Lisieux, die von Papst Johannes Paul II zur Kirchenlehrerin ernannt wurde, hat es bereits treffend im 19. Jahrhundert gesagt: „Kämen die Heiligen wieder, um uns zu sagen, was sie von ihren Lebensbeschreibungen halten, man wäre sehr überrascht … Zweifellos würden sie oft einräumen, dass sie sich in dem Bild, das man von ihnen gemacht hat, nicht wiedererkennen.“

Gott sei Dank, hat man den Thomas nicht rausgestrichen aus der Heiligen Schrift und erfreulicherweise war da eine Gemeinde, die gesagt hat: „Auch du gehörst zu uns!“ Gott sei Dank waren da die Jünger, die ihn nicht nach Hause schickten, weil er halt nicht glauben konnte, und so fand er innerhalb dieser Gemeinschaft zum Glauben.

Es wird sie immer bei uns geben, die Zweifler und die Fragenden. Zum Glück, denn sie gehören zu uns. Und vergessen wir nicht, was schon Papst Gregor der Große (590-604) geschrieben hat: „Mehr als der Glaube der gläubigen Jünger hat uns (den Zweifelnden) die Ungläubigkeit des Thomas zum Glauben geholfen.“

Eine gute Woche

P. Michael Janmieling

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