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Licht

P. Michael Janmieling

Wenn ich das eine oder andere Mal bei der Antoniusklus vorbeikomme, bin ich immer wieder erstaunt wie viele Kerzen dort brennen. Meist stehe ich vor den Kerzen und denke daran, dass doch hinter jeder Kerze ein Mensch steht, ein Mensch in Nöten, aber vielleicht auch manch einer voller Dankbarkeit. Es sind sicher manchmal auch Menschen, die ihrem Gebet keine Worte mehr verleihen können. Die Kerze wird somit zum Symbol, zum Zeichen dessen, was nicht in Worte gefasst werden kann.

Auch in unseren Gottesdiensten zünden wir Kerzen an, die keinerlei praktischen Sinn haben: die Kerzen auf dem Altar, die Tauf-, Erstkommunion- und Brautkerze, die Osterkerze, die Kerzen für die Prozessionen. Es ist uns aber kaum klar, warum wir sie anzünden. Die Kerzen, welche die Messdiener am Sonntag oder an Hochfesten bei der Verkündigung des Evangeliums halten, könnte man im Grunde weglassen, denn das elektrische Licht bringt mehr als diese zwei Leuchter. Natürlich, es sieht einfach feierlicher und schöner aus und es kann sicher auch unser Herz bewegen, aber haben diese Kerzen nicht doch noch einen tieferen Sinn?

Die Kerzen im Gottesdienst weisen mehr oder weniger immer auf Christus hin. Er ist gegenwärtig in seiner Gemeinde und in der Verkündigung des Wortes. Bei der Verkündigung des Evangeliums sagen uns zum Beispiel die beiden Kerzen: Hier ist jetzt ein Licht für mich da. Denn jeder von uns trägt ja doch immer eine Form von Dunkelheit in sich. Vielleicht innere Nöte, Schwierigkeiten, oder auch schwere Sorgen. Das Kerzenlicht deutet mir aber an: Hier kann auch mir ein Licht aufgehen.

Besonders stark kommt die Bedeutung des Lichtes bei der Feier der Osternacht zum Ausdruck. Wenn sich die Gemeinde am Osterfeuer versammelt, die Osterkerze entzündet wird, und dann im Schein dieser Kerze, in die dunkle Kirche eingezogen wird. Dann führt uns dieses Licht wie Gott einst sein Volk Israel in der Feuersäule aus Ägypten geführt hat. Von der Gefangenschaft in die Freiheit, von der Wüste zum Leben. Auch wenn es ein paar Minuten dauert bis alle Gläubigen ihre Kerzen angezündet haben und ihren Platz gefunden haben, es ist immer ein großartiger Anblick, den jeder auf sich wirken lassen sollte. Auch wir können Gott alles bringen, was uns gefangen hält, alles was uns innerlich ausbrennt. Beim Anblick der Kerzen wird mir aber auch deutlich: Du bist Licht, jeder von uns ist Licht, gemeinsam wird diese Kirche erhellt.

 

P. Michael Janmieling

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