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Liebt Gott eigentlich alle Menschen gleich?

Diakon Manfred Lohmann

 

Liebe Leser,

liebt Gott eigentlich alle Menschen gleich?

Es gibt ein Gerücht in Ostwestfalen, und es hält sich sogar hartnäckig: Gott liebt auch den größten Sünder; ja, sie vielleicht sogar noch etwas mehr als die anderen, die nicht so viel auf dem Kerbholz haben.

Eigentlich seltsam, finden sie nicht auch? Da verehren wir große Heilige, die ihr Leben ganz und gar in Gottes Dienst gestellt haben, und behaupten gleichzeitig, dass Gott diese Menschen auch nicht mehr liebt als Verbrecher, Mörder und Vergewaltiger.

Liebt Gott also wirklich alle Menschen gleich?

Wenn Gott alle Menschen liebt, warum dann noch Religion? Warum dann noch Opfer, Gottesdienst und Gebet? Gut - vielleicht deshalb, damit unsere Liebe zu Gott einen Ausdruck findet. Aber machen wir uns nichts vor: Wir kommen ja nicht immer mit frohem, überquellendem Herzen zu Gott und freuen uns auf den Gottesdienst. Manchmal müssen wir uns selbst zur Kirche schieben und zum Gebet aufraffen; damit unsere Liebe zu IHM nicht erlischt.

Aber warum? Reicht es denn nicht, wenn er uns liebt? Er wird uns doch all unsere Sünden vergeben. Wenn Gott alle Menschen liebt, dann brauchen wir doch nur das tun, was wir wollen. Gott liebt uns!

Anscheinend haben wir da ein Dilemma: Auf der einen Seite klingt es ungeheuerlich, wenn wir behaupten würden, Gott liebt nicht alle Menschen. Denn dann käme doch sofort die Frage: Wenn liebt er denn?

Auf der anderen Seite führt die Behauptung, dass Gott alle Menschen liebt, in der Konsequenz zu einer gewissen Gleichgültigkeit: Dann brauchen wir doch nichts mehr tun...

Und wie so oft hilft in diesem Dilemma die genaue Unterscheidung: Denn es ist ja auch bei uns Menschen so, dass Liebe nicht immer erwidert wird. Auch wenn ich einem Menschen mit Liebe begegne, kann nicht immer von einer Liebesbeziehung gesprochen werden. Würde ich einem Menschen, der meine Liebe nicht will, trotzdem meine Zärtlichkeiten aufdrängen, so käme ich ins Gefängnis. Liebe als Grundhaltung kann ich jedem Menschen entgegenbringen, aber jeder, dessen Liebe zurückgewiesen worden ist, wird bestätigen, dass Liebe danach verlangt, ein Miteinander zu sein. Liebe als ein Miteinander setzt aber die Bereitschaft auf beiden Seiten voraus.

Gott möchte sehr wohl alle Menschen lieben; er ist die Liebe und ist jedem Menschen in Liebe zugetan. Aber ein Liebesgeschehen, eine Liebesbeziehung kommt nur zustande, wenn auch der Mensch sich öffnet. Auch seine Gnade, sozusagen die göttlichen Zärtlichkeiten, wird er uns nur schenken, wenn wir es wollen und ihn darum bitten. Sonst wäre er kein liebender Gott.

Bei Menschen, die sich von Gott abwenden, seine Liebe und Verzeihung nicht wollen, geschieht einfach weniger. Gott respektiert diese Entscheidung; er leidet darunter, er sehnt sich danach, dass seine Liebe auch in die Tat umgesetzt wird. Es gibt keinen größeren Schmerz für Gott, als wenn diese Liebe zu einem Menschen für alle Zeiten unerfüllt bleibt.

Aber genauso gilt, liebe Schwestern und Brüder, dass es für Gott keine größere Freude gibt, als wenn ein Mensch sich endlich öffnet und mit Gott das Leben neu beginnt. Gottes Freude darüber ist unbeschreiblich.

Eine Woche in der Liebe Gottes wünscht ihnen

Manfred Lohmann (CL)

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