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Mal ganz anders.

Diakon Manfred Lohmann

Wir bleiben zu Hause. In den letzten Wochen müssen sich viele entschieden haben, diesen Sommer nirgendwohin zu fahren und nirgendwohin zu fliegen. Natürlich liegt das am Geld. Aber man kann den Eindruck gewinnen, daß es nicht nur das ist. Es ist nicht nur das dumme Gefühl, etwas nicht haben zu können, was man sonst immer hatte. Auf eine Weise, die noch gar nicht so klar ist, bietet der Verzicht offenbar auch neue Genußmöglichkeiten. Die Trauminseln, die Traumstrände und alles das können warten. Vielleicht will man gar nicht mehr träumen, daß man träumen könnte; daß irgendeine ferne Realität uns ins Träumerische zu entrücken, zu erlösen gar sich bemüht. Mit der ökonomischen Krise ist in Deutschland ein neuer Realitätssinn erwacht, der uns für manches die Augen öffnet, das man zuvor gar nicht sehen wollte.

Wohlgemerkt, es geht nicht darum, den Mangel und die Einschränkungen schönzureden. Die Deutschen haben schließlich gerade kundgetan, daß sie gar keine Lust zum Sparen mehr haben: Wir haben tatsächlich zu lange in einer Art Zuwachsparadies gelebt, um das süße Gift des unbekümmerten Wohlstands nicht noch zu schmecken. Wenn unsre Vorstellungswelt also gerade kräftig umgeräumt wird, dann muß uns das trotzdem nicht unbedingt schlecht bekommen.

Im Gegenteil: der Sehschärfe tut es gut. Mit einemmal sieht man Gegenden und Orte, die früher einfach zu nahe waren und zu gewöhnlich klangen. Heute sind sie für immer mehr Menschen gerade deshalb anziehend, weil sie so nah und erreichbar sind. Tatsächlich hat sich also unsere Wahrnehmung binnen weniger Jahre grundlegend geändert.

Sich ausruhen und neue Bekanntschaften machen soll nach einer neuen Umfrage für die Deutschen das wichtigste im Urlaub sein und beides geht hervorragend zu Hause. Wir müssen allerdings zugeben, daß bei solchen Betrachtungen über den exotischen Reiz Deutschlands oder gar des eigenen Zuhauses der letzte Sommer eine prägende Bedeutung hat. Er schmolz damals unseren Alltag regelrecht um zu einem anderen Leben, mit langen Abenden, offenen Fenstern und einer verlängerten Existenz außerhalb der eigenen vier Wände. Das wirkt bei der idyllischen Vorstellung vom Daheimbleiben nach.

Es läßt sich also einsehen und bejahen, daß Urlaub auch zu Hause und damit in Deutschland sinnvoll sein kann. Könnte uns solche Einsicht nicht auch dahin bringen, unserem Leben, unserem Dasein überhaupt wieder einmal eine entschieden neue Richtung zu geben? Zum Beispiel Gott wieder eine Chance zu geben in meinem Beten? Im Beten gerät das ganze Leben in das Licht Gottes, sozusagen auf seine Fährte, unter seinen Blick, dem nichts verborgen bleibt, der bis in die innersten Tiefen unseres Herzens reicht. Es sind nicht selten Erfahrungen von Leiden und Demütigungen, die uns Menschen dazu bringen, uns diesem Licht zu öffnen. Insofern stimmt es, daß Not das Beten lehrt. Alles wird in diesem Licht nochmals befragt, das ganze Leben mit all seinen Umwegen, seinen Überforderungen, seinen Reizen und Versuchungen. Beten hilft klarer zu sehen, es macht objektiv. Versuchen wir es doch einmal ganz anders: zu Hause!.

 

Eine Schöne Woche wünscht ihnen

Manfred Lohmann

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