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„Mal so gesehen:
Von Christus auf den Arm genommen …“!

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

In diesen Tagen feiern wir das kleine Osterfest im Hochsommer: die Auferstehung und gleichzeitige Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel  - mit Leib und Seele. Es ist ein beliebtes Fest: vor allem die traditionelle Weihe der Kräuter hat diesen Gedenktag fest in die Herzen der Menschen verankert. Es ist ein Fest voller Hoffnung: es  zeigt uns das Ziel unseres Lebens. Denn wir sind, wenn wir zu Christus gehören, dazu befreit, in der Welt Gottes einmal ganz mit uns selbst identisch und heil leben zu können – ohne das oftmals tobende Chaos unserer Gedanken und Gefühle, ohne die  oft so schwer zu verstehende Sprache unseres Leibes.

Über die Tradition der Krautbunde und der theologischen Aussage des Festes hinaus, hat jeder von uns ein Bild dieses Ereignisses vor seinem geistigen Auge: In unserer westlichen Tradition wird  Maria in der Regel entsprechend dem Bild aus Offb 12, 1-6a majestätisch aufrecht stehend auf einer Wolke nach oben schwebend dargestellt. Meist tritt sie dabei mit dem Fuß auf eine Schlange – Zeichen dafür, dass das Böse, der Tod zertrampelt ist und ihr nichts mehr anhaben kann.

In der östlichen Tradition der Ikonographie wird die Aufnahme Mariens ganz anders dargestellt: Maria liegt auf dem Sterbebett, umringt von den Aposteln und anderen Gestalten aus dem Neuen Testament. Sie alle sind nach Jerusalem geeilt, um beim Sterben der Gottesmutter dabei zu sein. Im Zentrum der Ikone aber steht Christus, umgeben von der Gloriole des Himmels. Er trägt auf seinem linken Arm ein kleines Kind, eingehüllt in ein weißes Tuch. Dieses Kind ist von einem Heiligenschein umgeben: es ist die Seele der Gottesmutter, die nun mit einer neuen untrennbaren Gestalt ihres Leibes von Christus in den Himmel getragen wird.

Ich mag diese Form der Darstellung sehr. Denn sie zeigt mir zunächst einmal, dass gerade das „nicht Vollendete“ und das  „nicht Erwachsene“ meines Lebens von Christus angenommen ist und von seinen Armen gehalten wird. Mal so gesehen: diese Ikone macht mir immer wieder deutlich, dass ich nicht in den Himmel raufklettern muss, sondern dass mich Christus hinaufträgt: es kommt also letztlich nicht auf meine persönlichen Anstrengungen an, sondern darauf, mich voller Vertrauen auf den Arm nehmen zu lassen – von Christus, dem Auferstandenen.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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