Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

„Möchte der Herr nicht lieber einen Einzeltisch?“

Anne Frank
Lena Wenke

Sicher kennen viele von Ihnen das Abendmahlbild von Leonardo da Vinci: An einer großen Tafel sitzt Jesus mitten im Kreis seiner zahlreichen Jünger und Freunde. Eine Postkarte auf unserem Schreibtisch zeigt uns eine gegenwärtige Interpretation dieses Bildes und vielleicht auch der heutigen Situation in Kirche und Gemeinde: Jesus sitzt allein an einem langen Tisch im Restaurant „Da Vinci“ und der Kellner fragt etwas konsterniert: „Möchte der Herr nicht lieber einen Einzeltisch?“

Ist das die Zukunft der Christenheit in einer krisengeschüttelten Kirche mit Missbrauch, Vertrauensverlust, Priestermangel, Kirchenaustritten und Gottesdienstteilnahme nur noch Ostern und Weihnachten: „Jesus allein am Tisch“? Gibt es noch Menschen, die der Einladung Jesu folgen, sich mit ihm auf Gottes Spuren zu begeben und sich auf seine Gegenwart in Brot und Wein einzulassen?

Wir möchten diese Frage mit einem mutigen „Ja“! für uns beantworten. Oder haben wir schon die Bilder vom Weltjugendtag vergessen, als sich tausende junger Menschen auf den Weg nach Köln machten um gemeinsam zu beten und zu leben und zu lachen. Und wie ist es mit den Jugendlichen aus unserem Pastoralverbund, die bald gefirmt werden. Natürlich gibt es einen kleinen Handel mit Firmpässen und Messen, die der eine für den anderen absitzt, und trotzdem lassen sich viele von ihnen darauf ein, mal wieder Kirchenluft zu schnuppern, mit Gemeinde in Kontakt zu kommen und, bildlich gesprochen, zumindest sich den Tisch Jesu anzuschauen. Das gleiche gilt für die Kommunionkinder und ihre Familien, sie lassen sich für eine Zeit lang auf das Abenteuer Kirche ein, und vielleicht folgt der ein oder andere Jesu Einladung zum Tisch des Herrn auch noch nach dem „Weißen Sonntag“. Dann gibt es auch noch junge Leute, die Religion zu ihrem Beruf machen, zum Beispiel als Lehrerin. Welche Motivation steckt dahinter, heute noch dieses Fach unterrichten zu wollen? Vielleicht hat es damit zu tun, „dass in diesem Fach der Mensch mit all seinen Fragen und Zweifeln und Suchen im Vordergrund steht und das es schön ist, sich der Herausforderung zu stellen, sich mit Schülern – auch wenn nichts bewiesen werden kann – auf Gottes Spuren in unserem Leben zu begeben. Denn langweilig ist Religion nicht!“

Noch einmal fällt unser Blick auf die Postkarte mit Jesus an diesem leeren Tisch. Wir denken, dass er das Angebot des Kellners, einen kleineren Tisch zu wählen, nicht annimmt. Auch wenn die Plätze im Augenblick noch leer sind, er wird warten: Auf die, die sich verlaufen haben und eine Pause brauchen, auf die, die neugierig sind und ihn sich ansehen möchten, auf die, die traurig sind und einen zum Reden brauchen, auf die, die mit ihm beten möchten, auf die, die Gott suchen und auf uns, die wir hin und wieder vorbei kommen um bei ihm Platz zu nehmen.

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Woche,

Ihre Anne Frank und Lena Wenke (Praktikantin)

Leonardo da Vinci (1452-1519): Das letzte Abendmahl (1495-1498), Santa Maria delle Grazie, Mailand
"Möchte der Herr nicht lieber einen Einzeltisch? Oder wartet er auf jemanden?" Bild: © Gerhard Glück/Lappan Verlag


Wir danken dem Lappan-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Cartoons.

10.793.530  Besucher seit 09.2009