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Nachtrag zum Zölibat

Diakon Guido Schütte

Im März 2013 erschien die Zeitschrift „stern“ mit dem Aufmacher: „Ich liebe Gott (und eine Frau) – die Lüge von der Enthaltsamkeit“. Ehemalige Pfarrer und Vikare beschreiben darin ihr Leben im Spannungsfeld zwischen erzwungener Enthaltsamkeit und dem Wunsch nach Partnerschaft, ihr Leiden unter der Starrheit des kirchlichen Entscheidungsapparates und schließlich ihre Hoffnung, der neue Papst möge den Zölibat als Bedingung für den Zugang zum Priesteramt „mit einem Federstrich“ abschaffen. Redaktionelle Ergänzungen und rhetorische Aufmachung des Artikels verstärken eine mitfühlende Atmosphäre souveräner Sachkundigkeit, in der das Festhalten am Pflichtzölibat nicht nur unmenschlich, sondern geradezu lächerlich wirkt.

Ich bedauere die Einseitigkeit solcher Veröffentlichungen. Es wird verschwiegen, dass die Mehrheit unserer Priester ihrem Zölibatsversprechen ein Leben lang durchaus treu bleibt – eine bemerkenswerte Leistung in einer Gesellschaft, deren Freiheitsbegriff sich nach und nach in der Beliebigkeit aufzulösen scheint. In vielen Gesprächen mit Priestern habe ich vor allem diejenigen ausgemacht, die ihr Amt erst in der existentiellen Entscheidung für ein zölibatäres Leben als umfassend gelingend empfinden.

Jeder Kandidat, der sich auf das geistliche Amt vorbereitet, ist mit den Rahmenbedingungen vertraut. Dazu gehört zurzeit, dass er den Zölibat als Zugangsvoraussetzung annimmt und bejaht. Wenn er dies später als Zwang empfindet, hat er sein ursprünglich gewähltes Lebensmodell, in dem die Ehelosigkeit für ihn eine Selbstverständlichkeit war, verlassen. Und dafür kann er nicht einfach andere verantwortlich machen.

© stern.de

Dies scheint die im „stern“ zu Wort kommenden Betroffenen wenig zu interessieren. Sie definieren sich als Opfer einer unmenschlichen Regelung, verändern die Richtung ihres Lebensweges und „hoffen und beten“, dass sich die Strasse unter ihnen dreht, damit sie geradeaus weitergehen können. Sie benutzen die Debatte über die Abschaffung des Zölibats, um sich rückwirkend und folgenlos von ihren Versprechen zu befreien, und geben dabei alte Weggefährten und deren pflicht- oder auch wunschgemäßes Festhalten am Zölibat bedenkenlos der Lächerlichkeit preis. Diese bewusste Vermischung persönlicher Interessen mit elementaren Reformansätzen erstickt den gelassenen Umgang mit Veränderungsprozessen und schadet der Glaubwürdigkeit unserer Kirche. Dabei sollte der Zölibat nicht überbewertet werden – weder in die eine noch in die andere Richtung! Ich möchte es so vergleichen:

Als Ständiger Diakon gehöre ich der kleinen Gruppe katholischer Geistlicher an, die unter bestimmten Voraussetzungen verheiratet sein dürfen. Bei unserer Hochzeit habe ich meiner Frau lebenslange Treue versprochen. Die eigentliche Voraussetzung für die Ehe ist aber nicht unsere Treue, sondern unsere Liebe. Die Treue ist für den Bestand unserer Liebe nicht unbedingt notwendig. Aber sie ist die Wurzel einer Verlässlichkeit, die das Dasein in der Partnerschaft erst wirklich frei macht.

Vor ihrer Diakonenweihe haben die Priesteramtskandidaten den Zölibat versprochen. Die eigentliche Voraussetzung für die Weihe ist aber nicht der Zölibat, sondern Christi Berufung in den besonderen Dienst. Der Zölibat ist für den Vollzug dieses Dienstes nicht unbedingt notwendig. Aber er ist die Wurzel einer Verfügbarkeit, die das Dasein im geistlichen Amt erst wirklich frei macht.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

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