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Noch mehr Gedanken zum Zölibat

Pastor Peter Lauschus

Zu meinem letzten Artikel habe ich einige positive Rückmeldungen erhalten, aber auch Anfragen, die man so zusammenfassen könnte: Wenn der Zölibat nur ein Rat ist, warum macht man ihn dann nicht freiwillig?

Da ich diejenigen kenne, die mir diese Frage gestellt haben, weiß ich, dass sie es nicht ohne Grund tun: Sie sehen, dass die Zahl der Priester immer weniger wird, dass die Belastung für den einzelnen Priester damit immer größer wird. Sie sehen, dass immer mehr Gemeinden keinen eigenen Priester mehr haben, und machen sich Sorgen. Das ist achtenswert. Trotzdem muss ich widersprechen: Es ist zu kurz gedacht. Erst einmal glaube ich, dass das Problem tiefer liegt: Der Blick auf die schwindenden Gemeinden sagt mir das. Mehr Priester würden da kaum helfen, und nur für noch mehr Messen, die immer weniger besucht werden, mehr Priester zu haben, ist auch nicht sinnvoll. Um dem entgegenzuwirken, brauchte es ganz andere Gemeindestrukturen, die von echter Gemeinschaft geprägt wären. Wenn wir die mit Priestern ausfüllen wollten, brauchten wir – ich habe es einmal ausgerechnet – allein in Bad Driburg 38 Priester (Jeder Mensch kann effizient mit 300 Menschen Kontakt halten). Und das einmal hochgerechnet auf unser Dekanat oder Bistum zeigt, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass diese Menge erreicht werden kann. (Mal abgesehen von der ganz banalen Frage: Wer soll das bezahlen?) Kirche hat nur dann Zukunft, wenn man sie als Gemeinschaftsprojekt aller versteht und lebt und nicht als eine Aufgabe für Hauptamtliche! Kurz: Mehr Priester wären keine Antwort.

Zum zweiten Teil der Anfrage: Es ist ja nur ein Rat! - Stimmt. Mein Arzt hat mir auch nur „geraten“ Sport zu betreiben. Aber jeder weiß, dass dieser Rat mehr ist als ein bloßer Vorschlag. Und ich habe auch ein schlechtes Gewissen (leider nur ein ganz kleines bisschen), weil ich den Rat nicht befolge. Schon Paulus (1.Kor 7,25-38) wirbt für die Ehelosigkeit, die Jesus seinen Jüngern angeraten hat, und im 1. Timotheusbrief 3,2 ist sie nach Meinung vieler Bibelausleger sogar schon Voraussetzung für das geistliche Amt. Da aber in dieser Zeit die Geistlichen aus der normalen Gemeinde heraus berufen wurden, in der Form der völligen Enthaltsamkeit. Der Zölibat ist also keine Erfindung des Mittelalters, um die Vererbung von Kirchenbesitz zu verhindern, sondern eine Weiterentwicklung einer urkirchlichen Einrichtung.

Wenn der Zölibat aufgehoben würde, hätte ich keine Probleme damit. Ich würde weiter in dieser Form leben. Wenn ich es entscheiden müsste (Halleluja, dass dies nicht der Fall ist!!), würde ich ihn beibehalten. Denn seine Abschaffung würde vielleicht einige Probleme (scheinbar?) lösen, aber auch eine ganze Reihe mit sich bringen, das kann man an Kirchen ohne Zölibat sehen: Wie soll das bezahlt werden? Was passiert mit einem Priester, der sich scheiden läßt? Können verheiratete Priester auch Bischof werden? Was passiert, wenn die Ehefrau des Priester stirbt? Was wird aus dem Engagement der Ehrenamtlichen? Und noch einige Fragen mehr, sie sehen, manches ist nicht so einfach, wie es aussieht!

Mit freundlichen Grüßen Peter Lauschus, Vikar

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