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Schon wieder fast vorbei?

Gemeindereferentin
Anne Frank

Wir schreiben den 22. Februar 2016, und im Gespräch mit einem interessierten Mitchristen meint ein Kollege, die Fastenzeit sei ja nun auch bald schon wieder vorüber und wir steckten mitten in den Vorbereitungen auf die Karwoche. Aber nicht doch, höre ich mich sagen, ich bin doch gerade erst in dieser besonderen Zeit angekommen, und nun schon der Endspurt? Dabei hatte alles so schön begonnen, die Schul- und Kindergartengottesdienste am Aschermittwoch mit einem weißen Blatt als Zeichen für die beginnende Fastenzeit. Die Kinder erkannten direkt, dass ist die Zeit, „da ist erstmal nichts“. „Da kann man schlafen“, meinte ein Kindergartenkind. Vielleicht hatte es dabei die Tiere, die einen Winterschlaf halten vor Augen, wer weiß. :-)

Fastenzeit, wir schalten einen Gang zurück, nehmen uns etwas Besonderes vor, vielleicht mehr in der Bibel zu lesen, regelmäßig zur Kirche zu gehen, verzichten auf Alkohol und Süßes, wollen unseren Mitmenschen freundlich begegnen, starten in die Exerzitien im Alltag, besuchen die Kreuzwegandachten, verzichten auf Fernsehen, Computerspiele oder sogar das Smartphone, … Und dann? Dann überrollt uns die Welle des Alltags: Arbeit, Familie, Freunde, lockende Osterangebote in den Supermärkten, Flüchtlingsdebatte, Krisenstimmung oder Partylaune etc.. Und wo bleibt da das weiße Blatt vom Aschermittwoch, die ruhigere, etwas andere Zeit?

Im Kindergarten St. Peter und Paul in Bad Driburg läuft dazu gerade ein interessantes Experiment. Wie schon seit ein paar Jahren, sind die Fenster und Wände in der Zeit nach Karneval frei von Dekorationen. An den Wänden finden sich lediglich noch die Uhr, Geburtstagskalender und die von den Kindern gemalten Aschenkreuze. Die Fenster lassen den Blick nach draußen frei. Zusätzlich probieren Kinder und Erzieherinnen aus, in diesen Wochen mit weniger bis gar keinem Spielzeug auszukommen. Die Regale sind leer und es wird geschaut, wie aus möglicher Langeweile Phantasie entstehen kann, wie die mitgebrachte Barbie-Puppe nicht nur Statussymbol, sondern auch Spielmöglichkeit für mehrere wird, wie viele kreative Einsatzmöglichkeiten es für ein Blatt Papier gibt, und dass es für einen florierenden Schönheitssalon nichts mehr bedarf als flinker Finger und einer unendlich geduldigen Erzieherin. Zeit für Begegnungen mit Jesus gibt es hier ebenfalls. Die Kinder tauchen ein in die biblischen Erzählungen durch Bücher, Rollenspiele, einfache Figuren und Legebilder aus bunten Tüchern. Eine gute Art, das weiße Blatt der Fastenzeit zu gestalten, und ich bin dankbar, dass ich hin und wieder als Gast diese – von außen gesehene – „Insel im tobenden Alltagsmeer“ besuchen darf.

Was ich von dort mitnehme? Auf jeden Fall das Lachen und die Freundlichkeit der Kinder und dann noch den Wunsch, dass ich mir selbst in meinen unruhigen Fastenzeitgewässern zumindest kleine Sandbänke schaffen möchte. Vielleicht ist ein weißes Blatt, eine ganze Insel im Leben einer Erwachsenen / eines Erwachsenen ein zu großer Vorsatz, aber weiße Flecken auf einem sonst unruhigen, bunten Blatt ließen sich doch machen. Wie diese „Fasteninseln“ genau aussehen können, muss jede und jeder für sich selbst herausfinden, aber ein Anfangen lohnt sich, jeden Tag wieder neu, auch wenn die Karwoche mit sieben Meilenstiefeln auf uns zuzukommen scheint, noch ist sie nicht da.

Ihnen und Ihren Familien weiterhin eine gesegnete Fastenzeit mit vielen kleinen Inseln,

Ihre Anne Frank

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