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„Seid wachsam!“

Diakon Gottfried Rempe

Der Text des Evangeliums am 1. Adventssonntag stammt aus dem Markusevangelium, das in diesem Kirchenjahr, im Lesejahr B, im Mittelpunkt steht. Den Text finden wir  im 13. Kapitel, das Geschehen findet am Ölberg statt. Jesus sagt den Untergang Jerusalems voraus. Der Text befindet sich im Gesamttext unmittelbar vor dem Beginn der Erzählungen von Abendmahl und Leidensgeschichte. Hintergrund ist die Vorstellung vom unmittelbaren Wiederkommen des Messias.

Die Menschen damals glaubten, sie würden die Wiederkunft Christi selbst noch erleben.

Ist es nicht komisch, dass der heutige Text am Beginn der Adventszeit steht? Der Schlüssel für die Erzählung liegt meines Erachtens in den Versen 33-37 – 4 Mal hören wir hier den Hinweis, wachsam zu sein.

Menschen wünschen sich häufig, einen Blick in die Zukunft tun zu können. Liegt nicht ein besonderer Reiz darin, in die Zukunft blicken  zu können, zu erfahren, was da auf uns zukommt?

Man kann vermuten, wie eine kommende Zeit sein könnte und weiß aber auch, dass es ganz anders werden kann.

Science Fiktion Serien haben im Fernsehen und im Kino Konjunktur. Die  Älteren erinnern sich noch an die Serie „Raumschiff Enterprise“ mit Captain Kirk – oder an den 1949 vom Englischen Schriftsteller George Orwell verfassten Roman „1984“, der allerdings inzwischen auf beklemmende Weise ein Stück Realität geworden ist.

Aber auch Realitäten spielen mit der Zukunft. Wissenschaftler starten Weltraumsonden zu den Planeten und berechnen Jahre voraus die punktgenaue Landung und Uhrzeit auf die Minute.

Faszinierend! Trotz all dieser Visionen, Spekulationen und technischer Errungenschaften, die das fast Unmögliche möglich machen, kommt es immer wieder zu Pannen, zu Katastrophen und nicht vorhersehbaren Unfällen. Wir Menschen machen uns etwas vor und glauben, die Dinge, die da kommen werden, fest in der Hand zu haben. Und eben das haben wir nicht! Wir wiegen uns oft in einer falschen und gefährlichen Sicherheit. Die Zukunft haben wir nicht in der Hand. Keine Planung, keine Versicherung – nichts kann uns vor Unvorhergesehenem schützen. Viele von uns haben das vielleicht schon erlebt. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat schon festgestellt, dass alles, was uns Menschen ausmacht, aus einer ständigen Bewegung kommt. Jeder Moment ist anders als der vorhergehende. Der Einzige, der aber immer da und zuverlässig ist, ist Gott.

Mit dem heutigen Sonntag beginnen wir die Adventszeit. Wir bereiten uns vor auf das Kommen des Gottessohnes Jesus Christus. Ich möchte uns allen raten, dass wir diese Zeit auch besonders nutzen, uns auseinan-derzusetzen mit dem Kommen Gottes zu uns Menschen am Ende unserer eigenen Lebenszeit.
Zu Beginn des 13. Kapitels im Markus-Evangelium weist Jesus vom Ölberg weg auf die Stadt Jerusalem und sagt zu den Jüngern: "Davon wird kein Stein auf dem anderen bleiben“. Auf die Frage: “Wann wird das geschehen?“ antwortet Jesus nicht mit einer Zeitangabe, sondern in vielen Ermahnungen und Bildern. Er beschreibt ein großes Durcheinander im Leben der Menschen, in dem alle bestehenden Ordnungen auf den Kopf gestellt werden.

Dieses Chaos ist nur auszuhalten, wenn wir daran glauben, dass Gott sich um die Menschen kümmert, wenn wir uns darauf verlassen, wenn wir uns in Gott gehalten und aufgehoben wissen. Dazu ist es notwendig, die Ermahnung „Wachet – Seid wachsam“ ernst zu nehmen, uns nicht in einer Scheinsicherheit zu wiegen.

Die Adventszeit lädt uns nicht nur ein, den Blick zu wenden auf Weihnachten oder auf das Wiederkommen des Herrn in fernen Zeiten, sondern auch zu fragen und nachzuspüren, wo Gott in  unserem Leben hier und heute ankommt, auftaucht, als Fixpunkt mitten in aller Unruhe und Bewegung unserer gerade in der Adventszeit so kommerzialisierten und vom künstlichen Licht irritierten Welt erfahrbar wird. Ihn wirklich  zu erfahren bedarf es einer Hinwendung und Wachsamkeit, zu der Jesus in seiner Rede aufruft. Gott als Dreh- und Angelpunkt des Lebens wahrzunehmen und einzulassen verschafft Ruhe und Ausgeglichenheit.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit,

Ihr
Gottfried Rempe, Diakon

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