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Datum: 20. Oktober 2018 - 15:29 Uhr

Selfies mit Jesus

Pastor
Peter Lauschus

Eigentlich können wir doch nur froh sein, dass es zur Zeit Jesu noch keine Smartphones gab. Diese Telefone mit Kamera und Internetzugang. Stellen sie sich das doch einfach vor: Ein Selfie (früher sagte man Schnappschuss dazu) von Petrus mit der Bildunterschrift: „Meine ersten Schritte auf dem Wasser!“ oder ein Twitter von Andreas: „Sitzen gerade beim letzten Abendmahl zusammen, tolle Atmosphäre!“ Dass es so etwas nicht gibt, liegt nur an den technischen Voraussetzungen, nicht an größerer Weisheit der Apostel. Wenn man die Evangelien aufmerksam liest, dann trifft man immer wieder auf solche Stellen, wo die Apostel, wenn sie gekonnt hätten, ihren Selfiestick herausgeholt hätten und ein Foto gemacht hätten. Während ihrer Zeit mit Jesus waren sie manchmal so begriffsstutzig, sahen nur die äußeren Schichten, die Oberfläche, ohne an die eigentliche Botschaft heranzukommen (Die Sünder, Zöllner und Dirnen scheinen da ein besseres Empfinden gehabt zu haben). Erst als sie dem Auferstandenen begegnen, bessert sich die Situation, bei einigen Aposteln eher langsam (Petrus zum Beispiel, man muss nur an den Streit in Antiochia über die Zulassung der Unbeschnittenen zum gemeinsamen Mal denken) bei Paulus im Handumdrehen. Aber es ist auch nicht ungefährlich an das Innerste Jesu zu gehen, sich seiner Botschaft wirklich auszusetzen, denn es bedeutet, dass man sich ändern muss, dass man seinen Wohlfühlbereich verlassen muss. Papst Franziskus fordert gern auf vom Sofa aufzustehen. Bin ich dazu bereit? Ich kann auf der ersten „Selfieebene“ bleiben: Jesus als Verzierung meines Lebens, ohne Einfluss auf dieses. Oder die zweite Ebene: Ich sammle -wie ein Fan- alles was ich von Jesus erfahren kann, bin stolz auf die Selfies, nehme gewisse Gewohnheiten, gewisse Verhaltensweisen von ihm an, je nach dem, was mir passt, was mir gefällt. Oder ich wage das Abenteuer der dritten Ebene wie Paulus es getan hat: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir!“ (Galaterbrief 2,20). Dann wird es ein richtiges Selfie, denn mein „Selbst“, mein „Ich“ wird im innersten mit Jesus Christus verbunden, verschmilzt geradezu mit ihm. Die Bereitschaft dazu erfordert sehr viel Mut, aber wir haben ja auch dafür viele Vorbilder: Mutter Teresa, Johannes Paul II., Franz von Assisi und viele mehr. Und auch viele kleine Vorbilder, klein nur in dem Sinn, dass sie nicht im Kalender stehen, groß aber in ihrer Nachfolge.

Ich wünsche ihnen und mir, dass wir  immer wieder solchen Menschen begegnen und von ihrem Vorbild angestachelt werden, sich selbst auch von unserem  Sofa zu erheben und dieses Abenteuer des Glaubens zu wagen.

Mit freundlichen Grüßen Peter Lauschus, Vikar