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„Singt dem Herren alle Stimmen!“

Diakon Gottfried Rempe

So beginnt der große Schlusschor aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Noch vor einigen Tagen durfte ich dieses wunderbare Werk miterleben. Viele Gedanken gingen mir danach durch den Kopf, und ich dachte an unsere Gemeinden: Welchen Stellenwert nimmt in unseren Gottesdienstfeiern die Musik ein? Wie wird wohl das neue „Gotteslob“ angenommen? Lassen wir uns auf neue Lieder und Gesangsformen ein? Lassen wir uns von den religiösen Liedern noch „anstecken?“

Musik hat, jedenfalls für mich, wie keine andere Kunst die Kraft, Menschen emporzuheben, sie herauszureißen aus all ihren Ängsten. Musik spricht von Freude, Trauer und Hoffnung. Wer ohne Hoffnung ist, voller Verzweiflung, resigniert – der verstummt, wird still, kann nicht mehr singen. Es verschlägt ihm die Sprache. Wie oft wird dann Musik zum Träger neuer Hoffnung, lässt ja sagen zu einem Schicksalsschlag, man so nicht erwartet hat. Dass Musik Macht über die Herzen der Menschen ausübt, haben Menschen zu allen Zeiten gewusst. Diktatoren wie Heilige bedienen sich der Musik. Der Dirigent Daniel Barenboim sagte in einem Interview der BBC: „Die Politiker sollten vor jeder Parlamentssitzung ein Lied singen, dann ginge es in den Plenarsälen friedlicher und menschlicher zu.“ Wer glaubt, kann im Grunde gar nicht anders als singen! Singen ist Zeichen und Ausdruck der Lebensfreude. Singen und Musizieren gehören für mich zu den wichtigsten und schönsten Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Eine Gemeinde, in der lebendig gesungen und musiziert wird lässt auf einen überzeugten Glauben schließen. Der hl. Ambrosius ordnet in der schwierigen Zeit der Verfolgung an, dass das Volk ganze Nächte lang Psalmen singe. Viele Jahre später  verweist Martin Luther auf die Pflege des religiösen Liedes. So lassen sich zu allen Zeiten Gestalten finden, welche die Macht der Musik und ihre Wirkung auf den Menschen aufdecken. Musik wird zum Träger von Hoffnung und von Ideen, und es werden ihr heilende Kräfte zugeschrieben. Ärzte sollten manchmal ihren Patienten empfehlen, zu musizieren statt Medikamente zu verordnen. In der Musik kann sich der Mensch ganzheitlich ansprechen lassen. Sie will immer den ganzen Menschen: sein Herz, seinen Geist und sein Empfinden. So ist denn auch die Musik von alters her immer mit der liebe verglichen worden, ja Liebe spricht sich durch die Musik aus. Darum kann der hl. Augustinus sagen: „Cantare amantis est – Singen ist Sache der Liebenden.“ Sie setzt da ein, wo Sprache verstummt, wird zum Träger für das, was  in Sprache nicht  mehr übertragen und nicht mehr gesagt werden kann.

Sind wir uns eigentlich der Gabe und Gnade der Musik bewusst? Hat sie in den unterschiedlichen Formen unserer Gottesdienste den ihr eigentlich zukommenden Stellenwert? Die großen Künstler haben die künstlerische Veranlagung als von Gott geschenkt angesehen. So finden wir etwa bei J.S. Bach oder Joseph Haydn die handschriftlichen Zusätze vor den Kompositionen „Jesu juva – Jesus hilf“. Und am Schluss stehen die Buchstaben: S.D.G. „Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre.“

Haydn schreibt vor jede seiner Symphonien: „In nomine Domini – im Namen des Herrn“ und fügt am Ende hinzu: „Finis, laus Deo – Ende, Gott sei das Lob.“ Solche Worte zeugen von einem tiefen Glauben! Hier wird dem Künstler bewusst, dass er Gott seine Gabe zu verdanken hat. Im Kunstwerk, das der Künstler geschaffen hat, nimmt er Anteil an der Schöpfermacht Gottes. Ist das nicht eine großartige Erkenntnis?! Sollte das nicht auch für uns gelten, die wir mit einer Stimme ausgestattet sind und somit teilhaben an der großen Schöpferkraft, die uns durch den Gebrauch der Stimme gegeben wurde! Mit Nachdruck möchte ich daran erinnern, dass Musik aber nur dann existiert, wenn sie erklingt. Eine Partitur, eine geschriebene, gedruckte Musik ist noch keine Musik. Sie ist nur dann und so lange Musik, wie sie ausgeführt wird. Das gilt vor allem auch für unser Mitsingen bei der Feier der Gottesdienste.

Das neue „Gotteslob“ wird nur dann ein wirkliches „Gottes-Lob“, wenn wir uns singend und betend vor Gott stellen und dieses Tun als ein Glaubensbekenntnis empfinden. So wird Musik, wird unser Gesang zu einer Gotteserfahrung!

„Singt dem Herren alle Stimmen. Dankt ihm alle seine Werke! Lasst zu Ehren seines Namens Lob im Wettgesang erschallen!“

Es grüßt Sie:

Gottfried Rempe, Diakon

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