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Sollten wir den Karneval nicht ausfallen lassen?

Pater Michael Janmieling

Vielleicht erinnern sich noch einige daran: Es war Mitte Januar 1991. Damals spitzte sich die Lage im Persischen Golf dermaßen zu, so dass am 17. Januar der Golfkrieg begann. Die Stimmung in Deutschland war dermaßen bedrückend, worauf Hunderttausende in Mahnwachen und Demonstrationen auf die Straße gingen. Die Angst vor einem dritten Weltkrieg war auf einmal da. Reihenweise wurde ein Karnevalszug nach dem anderen abgesagt.

Krieg und Frohsinn, Krise und Karneval, das passte für viele damals einfach nicht zusammen. Aber ist die Situation 2015 anders? Jeden Tag sind die Nachrichten voll: Unruhen in der arabischen Welt, der Krieg in der Ukraine, die ständigen Gräuel des „Islamischen Staates“, Boko Haram in Afrika, und, und, und. Kann man da überhaupt Karneval feiern?

Trotzdem glaube ich, dass es eine Freude gibt, die viel stärker ist als all diese negativen Kräfte. Ein lebendiges Beispiel für eine solche Freude ist für mich der heilige Thomas Morus, der einen unerschütterlichen Humor besaß. Thomas wurde 1478 in England geboren. Er war zunächst Jurist, hatte eine Familie und wurde später Lordkanzler. Als König Heinrich VIII sich selbst zum Oberhaupt der Kirche ernannte, verweigerte ihm Thomas Morus als Lordkanzler die Gefolgschaft. Als er wegen angeblichen Hochverrats im Gefängnis saß, weil er aus Gewissensgründen sein Amt niedergelegt hatte, fragte man ihn, ob er sich jetzt eines anderen besonnen habe. „Ja“, antwortete er, „ich habe mich jetzt eines anderen besonnen.“ - „Gut, so unterschreibt!“ - „Nein, nein, so war es nicht gemeint. Ich wollte mir nur ursprünglich den Bart abnehmen lassen, bevor ich geköpft werde. Ich habe mich nun aber anders besonnen und lasse ihn doch stehen.“ Thomas Morus war wohl einfach so tief in Gott verankert, dass er vieles aus einer anderen Perspektive sehen konnte. Das bewies er mit seinem ganzen Leben. Im alten Gotteslob gab es noch unter Nr. 8,3 ein Gebet, dass von ihm stammte. Ein Gebet um eine gute Verdauung und Humor: „Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“

Papst Franziskus benannte vor Weihnachten die 15 Krankheiten der römischen Kurie. Eine Krankheit ist die sogenannte „Krankheit des Beerdigungsgesichtes“. „Wie gut tut doch eine Dosis gesunden Humors!“, so der Papst und er sagte, dass er das Gebet des Heiligen Thomas Morus täglich bete. Also, vielleicht brauchen wir ja in diesen Tagen doch noch mal wieder das alte Gotteslob, um zu lernen, dass eine Dosis Humor besser ist als so manches Beerdigungsgesicht und mehr Kraft hat, als all die negativen Kräfte in dieser Welt.

Eine gute Woche,
P. Michael

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