Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

Sommergedanken 2014

Gemeindereferentin Anne Frank

Es ist Sommer, richtig Sommer. Das Wetter hält sich, es ist warm und beständig, die Sonne scheint täglich und wenn ich morgens aufstehe, weiß ich, dass T-Shirt und kurze Hose als Kleidung für den Tag ausreichen werden. Gehöre ich nun noch zu den Glücklichen, die in Nordrhein-Westfalen die Schulferien genießen können und Urlaub haben, so ist meine Zeit leicht und die einzigen Entscheidungen, die ich treffen muss, sind die zwischen Müßiggang und Aktion, zwischen Wandern oder Schwimmbad, zwischen Lesen oder Spielen. In anderen Teilen der Welt ist der Sommer leider nicht so leicht. Es herrschen Krieg, Armut, Krankheit, Hunger, Sorgen. Jeden Abend in den Nachrichten wird es uns vor Augen geführt, die Schlechtigkeit, die Dunkelheit der Welt: Immer noch Unruhen in der Ukraine, ein abgeschossenes Flugzeug mit vielen zivilen Opfern, die nichts anderes wollten als in die Ferien, nach Hause oder zur Arbeit zu fliegen. Ein wieder einmal aufgeflammter bewaffneter Konflikt zwischen Israel und Palästinensern, High-Tech gegen „menschliche Schutzschilde“, Fanatismus auf beiden Seiten, ein Ende nicht in Sicht, eine Lösung der Streitigkeiten schon gar nicht. Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa drängen und hier keinen Platz finden usw. Die Aufzählung könnte scheinbar noch endlos weitergeführt werden und wir werden feststellen, dass es wieder einmal fünf vor Zwölf ist, wie man so schön sagt, dass unsere Welt mit all ihren durch uns Menschen initiierten Konflikten und Ungerechtigkeiten, der maßlosen Gier und dem „über Leichen gehen“ - bildlich gesprochen - vor dem Zerbersten, ja Auseinanderbrechen steht. Ein Wunder, dass sie es noch aushält.

Und wie halte ich diesen Zwiespalt aus, dieses Nebeneinander von kleinem Alltag und den Problemen dieser Welt? Standardmäßig fällt mir dazu immer Folgendes ein: Es gibt die unter uns, die über sich hinauswachsen, die Großes tun und die Welt ein kleines bisschen zum Besseren hin bewegen. Ich kann das nicht, ich kann nur in meinem Alltag immer wieder versuchen, im gegenseitigen Miteinander fair und gerecht zu sein und wenn mir das nicht gelingt, dann nicht beleidigt den Kopf in den Sand zu stecken, sondern wieder auf den anderen zugehen. Ich denke, dass kann eine Möglichkeit sein, mit diesen Dingen umzugehen. Aber immer reicht es mir nicht. Warum kann ich nichts im Großen verändern? Ist es nicht zu einfach, sich nur auf den privaten kleinen Radius zu beschränken (und selbst da fällt es schwer, sich immer an seine eigenen „Predigten“ zu halten)? Warum kann sich die Welt nicht einfach zum Positiven hin entwickeln und ich mit ihr? – Ich fürchte, diese Diskrepanz müssen wir aushalten. Die Schöpfung an sich ist gut, vollkommen; nur wir Menschen sind es eben nicht. Wir streben in alle Richtungen nach Perfektion und doch scheitern wir fast immer. Ein kleines Stückchen fehlt. Eine Herausforderung unseres menschlichen Lebens scheint es zu sein, unsere Unvollkommenheit ertragen zu müssen. Unsere Gaben und Begabungen in diese Welt miteinzubringen und dem Vollkommenen, dem Göttlichen immer näher zu kommen bis wir am Ziel sind, bei ihm sind, in ihm aufgehen, von ihm umschlossen werden! Und auch das müssen wir aushalten, wie es ist (wieder) ganz zu sein, werden wir erst wissen, wenn es soweit ist. Bis dahin dürfen wir, glaube ich, diesen Sommer mit allen Sinnen genießen und er schenke uns durch seine Lebendigkeit, Helligkeit und Fülle eine sommerliche Heiterkeit, um es mit unserer Unvollkommenheit gut auszuhalten.

Ihnen allen weiterhin einen richtigen Sommer wünscht,
Ihre Anne Frank

11.049.537  Besucher seit 09.2009