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Von der Schokolade und dem Bier
in der Fastenzeit

Zu Beginn der Fastenzeit erwarten sie sicherlich, dass ich nun über den Sinn des Fastens, der kirchlichen Praxis und der damit verbundenen notwendigen Vorbereitung auf Ostern zu ihnen schreibe. Dies läge ja auch schließlich nah am heutigen 1. Fastensonntag, vielleicht auch deswegen, weil der ein oder andere die letzten Tage das närrische Treiben in vollen Zügen genossen hat und doch nun wieder nüchtern und fromm der Wirklichkeit des Lebens ins Auge sehen sollte.

Aber weit gefehlt. Ich will ihnen den Genuss am Leben und die Freude am Glauben mit diesem „Wort zum Sonntag“ mitgeben und genau darüber einige Worte verlieren. Schließlich ist gerade in den urkatholischen Gegenden unseres Landes, nämlich im Freistaat Bayern den Mönchen damals ein kleiner Trick gelungen, um just in der Fastenzeit auf ihr allseits geliebtes Bier nicht verzichten zu müssen.

Das Starkbier wurde von den Mönchen zur Fastenzeit "erfunden" und sollte das Fasten erleichtern. Es war nämlich nur der Verzehr fester Nahrung eingeschränkt, nicht aber der Genuß von Flüssigem. Eine alte Geschichte erzählt, daß die Mönche natürlich dieses neue Nahrungsmittel vom Papst "absegnen" lassen mußten. Sie schickten ihm daher ein paar Fässer Starkbier, damit er sich ein Bild davon machen konnte. Bis das Bier aber beim Papst angekommen war, war es verdorben und schmeckte sauer. Der Papst fand das Getränk so ekelhaft, daß es seiner Meinung nach keinen Bruch des Fastens bedeutete und erlaubte den Mönchen gerne, es zu trinken. Er wußte ja nicht, wie es sonst schmeckte! Zudem musste man bedenken, dass bei der schweren körperlichen Arbeit auf den Feldern der Klöster, die auch während der Fastenzeit zu verrichten war, das Bier die notwendige Energie dafür lieferte. Andererseits bewahrte das Trinken von Bier vor gefährlichen Darmkrankheiten, die damals durch das Trinken von nicht abgekochtem Wasser aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse in den Städten und Siedlungen zu befürchten waren.

Also das Starkbier war anerkannt als echtes Fastengetränk – nun musste nur noch der Verzehr der leckeren, aus Lateinamerika stammenden Schokolade irgendwie erlaubt werden. Aber auch da galt ja der Grundsatz „Liquidum non frangit jejunum“ und so wurde nach der Legende Schokolade in flüssiger Form im Jahre 1569 von Papst Pius V offiziell als Fastengetränk erlaubt, nachdem er sich eine Tasse Schokolade ungesüßt habe kommen lassen und von dem Geschmack so angewidert ausgerufen haben soll: „Potus iste non frangit jejunum“ - Dieses Zeug bricht das Fasten nicht! Kardinal Brancaccio bestätigte später im Jahre 1662 diese Praxis und erklärte sogar Schokolade in fester Form zur Fastenspeise.

Warum ich Ihnen hier solche Tricks des Fastens erkläre? Weil die Vorbereitung auf das höchste Fest unserer Kirche, das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, eben durch ein Fasten vorbereitet werden soll, welches uns wirklich zu dem Geheimnis hinführen kann. Es geht also in der Fastenzeit nicht um weniger „Geschmack“ am Leben, sondern um bewusstes „Essen und Trinken“ – um Dankbarkeit, um Änderung der Blickrichtung hin auf den, der uns dieses Leben in Fülle ermöglicht. Die kirchliche Praxis des Fastens mag viele Hintertürchen im Laufe der Geschichte entwickelt haben, wie die oben genannten Beispiele deutlich machen. Es geht beim wahren Fasten eben nicht primär um Verzichten auf etwas, was uns das Leben verschönt, sondern um Relativierung der Freuden des Lebens, die wir zeitweise über die wahre Freude an der Erlösung durch Jesus Christus gestellt haben. Wir sollen wieder neu „Geschmack“ an Gott finden an seiner Liebe, die uns immer wieder neu aus allen Zweifeln und dunklen Tagen unseres Lebens herausholt und ins Licht stellt, so wie die Tage in diesen Wochen Schritt für Schritt länger werden und die Sonne des Frühlings sehnsüchtig in der uns schon überdrüssigen Winterzeit erwartet wird.

Ein solches Fasten, nämlich eine solche Neuausrichtung auf den Frühling Gottes hin, der uns wieder neu Geschmack am Leben gibt, das wünsche ich Ihnen und mir.

Ihr Pastor Michael Assauer

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