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Walburga – Gründerin und erste Äbtissin des hochadeligen, freiweltlichen Damenstifts Heerse

Franz Becker

Im Jahre 868 gründete der dritte Bischof von Paderborn, Luithard, zusammen mit seiner Schwester Walburga das Damenstift Heerse. Walburga entstammte einem adeligen Geschlecht der Sachsen, angesiedelt im Großraum Warburg. Als Stifterin und erste Äbtissin wurde ihr dieses Amt auf Lebenszeit zugestanden. Es wurde berichtet, dass sie eifrig nach Tugend strebte und sich so den Ruf der Heiligkeit erwarb. So wurde sie von verschiedenen Schriftstellern zu den Heiligen gezählt.

Über ihr Leben ist nicht sehr viel bekannt. So ist weder der Tag oder das Jahr ihrer Geburt noch eine aussagekräftige „Vita“ überliefert. Anzunehmen ist, dass sie wohl zwischen 890 und 900 gestorben sein muss und in der Lambertikapelle begraben wurde. Das Grab selbst ragt etwas aus dem Boden empor und ist mit einer Platte bedeckt, die mit einer lateinischen Inschrift versehen ist und ihren Todestag bezeugt.

Die Übersetzung lautet:

Hier ruht die verehrungswürdige
Walburga,
die mit mutigem Geiste
dieses Kloster errichtete
und als erste leitete.
Ihren Untergebenen gab sie ein Beispiel
eines gottseligen Lebens
und vermehrte sämtliche Schätze
der Kirche.
Möge sie Dich, Christus, jetzt schauen,
Dich Treuen, den sie immer liebte,
da Du sie den Schafen zu Deiner
Rechten zugesellst.
Sie starb
am 4. Tage der Nonen des März.

 

Eingang zur Lambertikapelle

In damaliger Zeit feierte man jährlich ihren Todestag. Am Vortag, dem 3. März, wurde nachmittags um drei Uhr an ihrem Grab das komplette Totenoffizium (Choramt für die Verstorbene) gesungen. Am Tag darauf gingen die Priester und Gläubigen nach dem Seelenamt zu ihrem Grab in die Lambertikapelle. Es folgte eine Prozession um den Kirchhof mit anschließendem feierlichen Hochamt.

Nach der Aufhebung des Stiftes am 1. Dezember 1810 durch ein Dekret des Königs von Westfalen, Jerome Bonaparte, wurden die Gebeine der Hl. Walburga am 26. September 1823 durch Generalvikar Dammers aus Paderborn erhoben. Unter Läuten aller Glocken wurden sie in einen kleinen Kasten gelegt, versiegelt und von Priestern in die Kirche gebracht, inzensiert und dann auf der Rückseite des Hochaltars in einer kleinen Öffnung beigesetzt. Das Grab selbst wurde wieder mit der Grabplatte bedeckt. Gründe für die Erhebung und Wiederbeisetzung der Gebeine mögen eine geplante gottesdienstliche Verehrung oder vielleicht der Umstand, dass die Lambertikapelle in einem vernachlässigten Zustand war, gewesen sein (aus: Gemmeke „Geschichte des adeligen Damenstiftes zu Neuenheerse“).

Altar und Grabplatte der Hl. Walburga

1964 erfolgten umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Kirche. Beim Aufheben der Fußbodenplatten in der Lambertikapelle entdeckte man eine Anzahl von Gräbern mit teilweise gut erhaltenen Skeletten. Grabplatte der Hl. Walburga fand man das kleine, nun leere Steingrab aus dem Jahr 1823. Unter diesem Grab stieß man jedoch auf eine weitere Grabstelle mit einem ganzen Skelett. Daraufhin dehnte man die Suche in noch größere Tiefe und Breite vor dem Altarbereich aus und fand schließlich ein Grab mit einer Kopfstütze und guter Einfassung, in dem sich Gebeinreste befanden. In die Falz der Grabumrandung passte genau die oben erwähnte Grabplatte. Aus diesen Erkenntnissen war zu schließen, dass es sich hier tatsächlich um die Gebeine der Hl. Walburga handelte und diese 1823 somit nicht erhoben wurden, sondern vermutlich Gebeine einer Äbtissin aus jüngerer Zeit. Die Gebeinreste der Hl. Walburga wurden dann ebenfalls in dem Reliquienkasten im Hochaltar beigesetzt. Dass dieses neu entdeckte Grab nicht in der Mitte vor dem Altar gefunden wurde, ist wohl damit zu erklären, dass beim Höherlegen des Fußbodens der Kapelle das Grab an seiner ursprünglichen Stelle belassen, nur die Platte erhoben in die Mitte des Raumes verlegt wurde. So konnte bei der Einfuhr einer neuen Äbtissin diese leichter auf dem Sessel Platz nehmen, der auf der Grabplatte der Hl. Walburga stand, um dort u. a. mit dem Sternenmantel bekleidet zu werden als Zeichen der rechtlichen Nachfolge (aus: Hilker „1100 Jahre Neuenheerse“).

Im Namenstagskalender des Gotteslob findet sich am 4. März die Eintragung „Walburg von Neuenheerse“. Bei der Hl. Walburga handelt es sich also um eine regional bedeutende und zu verehrende Persönlichkeit, derer die Gläubigen aufgerufen sind zu gedenken. Mit der Festlegung des 4. März als Namenstag sollte vermutlich ihr Todestag in das Bewusstsein der Gläubigen gerückt und im Gedächtnis bewahrt werden.

Seit 1941 ist die Lambertikapelle die Leichenhalle der Gemeinde Neuenheerse. Die Grabplatte der Hl. Walburga wurde mit einem Gestell aus Holz umfasst, auf das der Sarg gesetzt wird. Eine sehr symbolhafte, geschichtliche Tradition, durch die den Verstorbenen die letzte Ehre zuteil wird.

Am 4. März 2012, an ihrem Todes- und Namenstag, wird die Gemeinde der Stifterin und ersten Äbtissin gedenken. Nach dem Hochamt werden die Lambertikapelle mit dem Grab der Hl. Walburga und die Schatzkammer bis ca. 11.00 Uhr geöffnet sein. Am Nachmittag um 17.30 Uhr wird unter dem Thema „Stiftsgeschichte und Kirchenmusik - Auf den Spuren der Hl. Walburga und ihrer Nachfolgerinnen“ interessierten Besuchern Gelegenheit gegeben, mehr über das Wirken der Äbtissinnen und Stiftsdamen in fast 1000 Jahren zu erfahren.

 

Franz Becker, Neuenheerse

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