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Wann ist ein Tod ein „schöner Tod“?

Diakon Guido Schütte

Wenn für etwas klar Benennbares ein umschreibender Begriff benutzt wird, werde ich immer hellhörig. Die Schöpfer solcher Begriffe versuchen meistens einen dahinter stehenden ernsten Sachverhalt zu verschleiern oder zu verharmlosen. Noch misstrauischer werde ich, wenn die Wortschöpfung ihre eigene vorteilhafte Darstellung gleich mitbringt und sich jede negative Einschätzung verbittet.

„Euthanasie“ ist so ein Begriff. Er heißt übersetzt „Schöner Tod“ und meint nichts anderes als die gezielte Beendigung des menschlichen Lebens – was kein normal empfindender Mensch grundlos als „schön“ herbeisehnen wird. Auch auf eine „Aktive Sterbehilfe“ oder einen „Begleiteten Suizid“ wird man tunlichst verzichten wollen, selbst wenn die Verfügbarkeit über das eigene Leben als Ausdruck persönlicher Freiheit angesehen wird.

Mit dem im September 2012 auf den Weg gebrachten „Sterbehilfe-Gesetz“, das die Strafbarkeit „gewerbsmäßiger Förderung der Selbsttötung“ regeln soll und damit jede nicht gewerbsmäßige „Förderung“ einem rechtsfreien Raum zuweisen könnte, wird die dünne Schlacke über der Glut des Themengebietes „Sterbehilfe“ wieder aufgekratzt: Was dient dem Menschen, was verachtet ihn? Was ist noch Hilfe, was ist bereits Mord und Totschlag?

Dazu hat der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz unmissverständlich Stellung bezogen: „Die Sorge um eine menschenwürdige Sterbebegleitung, die sich an den Grundsätzen der Leidminderung, Zuwendung und Fürsorge orientiert und die jede Form der Unterstützung zur Selbsttötung entschieden ablehnt, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. (…) Der Wunsch zu sterben, wird oft erst aus Verzweiflung geboren. In vielen Fällen ist er nicht von Dauer, wenn dem Kranken liebevolle Begleitung sowie optimale medizinische und psychosoziale Betreuung zuteil werden. (…) Die deutschen Bischöfe drängen daher auf eine Ausweitung der Hospizangebote und eine Verbesserung der palliativ-medizinischen Versorgung und sprechen sich nachdrücklich für ein umfassendes Verbot organisierter Beihilfe zur Selbsttötung aus.“ (Pressemeldung Nr. 135 vom 12.09.2012)

Warum reagiert die katholische Kirche so heftig auf diesen Gesetzentwurf? Weil sie weiß, dass jede Festlegung außerhalb des umfassenden Verbotes einer „Aktiven Sterbehilfe“ eine willkürliche ist, die jederzeit verändert werden kann. Der verstorbene Moraltheologe Udo Zelinka verglich diesen Prozess mit einem Dammbruch: Wenn erst einmal ein Riss in der Staumauer ist, wird sie früher oder später unter dem ständig auf sie einwirkenden Druck der „Sachzwänge“ unkontrollierbar zusammenstürzen. Erste Vorstöße junger Bundestagsabgeordneter zur Einschränkung medizinischer Leistungen für über 75-jährige zeigen uns, wohin die Reise gehen würde. Und zwar in einem Staat, der nach einer Zeit des grauenhaften Umgangs mit „lebensunwertem Leben“ festgestellt und festgeschrieben hat, dass er über Leben und Gesundheit des Einzelnen in keinem Fall entscheiden darf.

Ich schreibe diesen Beitrag unter dem Eindruck des Sterbens meiner Mutter. Sie wurde auf der Palliativstation ihres heimischen Krankenhauses einfühlsam betreut und medizinisch so gezielt eingestellt, dass sie unter der Schwere ihrer Erkrankung nicht leiden musste und schließlich in Frieden ausatmen konnte, als ihre Zeit gekommen war. Mama zeigte uns: Würdevoll sterben kann ein todkranker Mensch auch ohne „Förderung der Selbsttötung“ – nach christlicher Auffassung gerade dann.

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

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