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War Gandhi ein Christ?

Diakon Manfred Lohmann

Mit der Tatsache, dass immer weniger Menschen ihren Glauben kennen und leben, schwindet auch der Begriff von dem, was einen Christen ausmacht.

Eigentlich waren Christen die Menschen, die daran glaubten, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Und christlich war all das, was diesem Glauben diente. Demnach war Gandhi eben kein Christ, sondern ein Hinduist - und er hat demnach auch nicht christlich gehandelt.

Heute haben wir die Begriffe verbogen: "Christen" sind gute Menschen, sagt man - egal, was sie glauben. Und "christlich" ist etwas, das selbstlos und hochherzig ist, sagt man.

Damit hat man natürlich die Begriffe komplett verdreht. Jetzt ist ein edler Mensch, der sich für seine Firma, seine Familie oder seinen Verein einsetzt, ein guter Christ - auch wenn er überhaupt keine Beziehung zu Jesus Christus hat. Und es ist eine Beleidigung, einen Moslem als "wahrhaft unchristlich" zu bezeichnen - auch wenn er genau das ist.

Das verwirrt natürlich. Da gibt es so seltsame Aussagen wie: "Man kann doch auch ein guter Christ sein, wenn man nicht jeden Sonntag in die Kirche geht." Kann man das wirklich?

Der Dreifaltigkeitssonntag stellt das in die Mitte, was Christsein ausmacht: Den Glauben an die Göttlichkeit Jesu; den Glauben an einen Gott, und die Erkenntnis, das unser Glaube weder eine Lehre - noch eine Moral ist - sondern eine Beziehung.

Liebe Leser, unser Glaube vollzieht sich zuallererst im direkten Kontakt zu Gott. Unser Gebet, unser Gespräch mit Gott und sein Ruf an uns, ist der Grund unseres Glaubens.

Augustinus sagte einmal zur Kommunion: "Empfangt, was ihr seid: Leib Christi! Damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi!" - Wir sind nur dann Kirche und somit nur dann Christen, wenn wir uns mit Christus im Gottesdienst vereinigen. Das ist die Quelle unseres Lebens. Weil wir hier dem Schöpfer, Erlöser und Vollender begegnen, können wir eine neue Wahrheit erkennen und ein neues Leben führen. Es stimmt also schon: Christen erkennt man an dem, was sie glauben und wie sie leben.

Aber Christen wissen: Was wir glauben und wie wir leben wäre sinnlos und hätte nichts mit unserem Heil zu tun, wenn wir nicht zuallererst dem begegnen, der uns das schenkt.

Liebe Leser, vielleicht ist unser Glaube hohl geworden: Wir haben eine christliche Fassade errichtet, aber dahinter wohnt keiner mehr. Wir haben einen Glauben, aber keine Beziehung mehr zu dem, der ihn uns geschenkt hat.

Aber vielleicht können wir es auch positiv sehen: Wir haben Gott sei Dank noch eine christliche Fassade oder sogar ein Glaubens-Gebäude, jetzt brauchen wir nur noch den einzulassen, für den es geschaffen ist. Wir haben einen Glauben geschenkt bekommen, kennen ihn und wissen, was gut und gottgefällig ist. Jetzt brauchen wir nur noch Gott in unser Leben lassen, damit der Glauben lebendig wird.

Auf nichts wartet der dreifaltige Gott mehr als darauf, dass wir ihn Sonntag für Sonntag bei uns einlassen, im Gottesdienst - und im persönlichen Gebet Tag für Tag.

Manfred Lohmann

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