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Warum ich mir nicht vorstellen könnte,
die Messe „tridentinisch“ zu feiern

Vikar Peter Lauschus

In der letzen Ausgabe habe ich beschrieben, was mich an der tridentinischen Messe reizen würde: Die Feierlichkeit, die Stille, das Latein, der eher meditative Charakter.

Diese Vorzüge sind sicher nicht zu verachten, aber ich habe ja schon angedeutet, dass es gar nicht so einfach ist, die alte Messe zu feiern. Und das ist schon ein Punkt, der für mich dagegen spricht, diesen Ritus zu feiern. Nicht, weil es kompliziert ist, sondern die Begründung für die Kompliziertheit. Der Ritus ist „überladen“. Durch die Jahrhunderte ist immer wieder etwas dazu gekommen, aber es ist nie etwas weggestrichen worden. Eine Fülle von Kreuzzeichen, Kniebeugen, Gebeten, die der Priester spricht, von Fingerhaltungen und noch vielem mehr, das in meinen Augen das Eigentliche verunklärt. Es ist geradezu zu einem Wildwuchs gekommen, den das II. Vaticanum glücklicherweise beschnitten hat.

Aber am wichtigsten ist mir, dass ich in den Evangelien lese, dass Jesus die Eucharistie gestiftet hat, nicht um angebetet und verehrt zu werden, sondern damit alle eins sind. Die Abschiedsreden im Johannesevangelium sprechen da eine deutliche Sprache. Und dieser Wunsch Jesu kommt im neuen Ritus wesentlich besser zum Ausdruck. Klar es gibt manches, was man besser machen kann, aber ich habe auch immer wieder von einem „Pater Fix“ gehört, der die alte Messe in einem mehr als beeindruckenden Tempo gelesen hat. Der Ritus macht noch keine Andacht, in beiden Riten kann man „schludern“ oder tief bewegt Gottesdienst feiern. Beide Riten in einer Gemeinde gleichberechtigt nebeneinander zu feiern, halte ich für schwierig. Es gibt ja auch in der Nähe Möglichkeiten, den alten Ritus mitzufeiern, z.B. im Dom.

Was man hier machen kann: Die Stille pflegen, Anbetung halten und so das Gute des alten Ritus in unsere Zeit holen. In St. Peter und Paul haben wir z.B. die Chance der neuen Beleuchtung nach der Renovierung genutzt, um vor den Gottesdiensten nur ein zurückhaltendes Licht einzusetzen, damit eine Atmosphäre der Sammlung entstehen kann (Es geht also nicht um Sparen!).

Ach ja, und dann noch das Latein! Eine Messe ganz auf Latein zu feiern, dass dürfte dazu führen, dass viele Menschen sich (zu recht) ausgeschlossen fühlen. Lesend zu verstehen, was ich als Priester bete, das übersteigt meine Fähigkeiten, da muss ich vorarbeiten. Hörend nachzuvollziehen, was auf Latein gebetet wird, das dürfte kaum einem gegeben sein. Doch auf der anderen Seite: Schade ist es, wenn nicht einmal die feststehenden Teile der Messe bekannt sind. Oft höre ich nach der Urlaubszeit: „Da war ich in der Messe und es war schön auf Latein mitbeten zu können!“ Es ist nun mal die weltweite Sprache der Kirche und es lohnt sich sie zu pflegen.

Auf jeden Fall: Das Schönste am neuen Ritus ist seine Spannbreite: Vom Familiengottesdienst bis zur Mozartmesse, von Jagdhornbläsern bis zum Neuen Geistlichen Lied, alles hat seinen Platz!

 

In der Vorfreude auf die nächste gemeinsame Messe

Ihr Vikar Lauschus

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