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Was Zigaretten und die Beichte (vielleicht) gemeinsam haben

Pastor Peter Lauschus

Ich kann mich noch erinnern, wie in meiner Jugend der Marlboro-Cowboy über die Leinwand im Kino ritt und das HB Männchen regelmäßig in der Werbung in die Luft ging. Als passionierter Nichtraucher bin ich nicht ganz so sicher, aber alles fing wohl mit einem kleinen Aufdruck an: „Rauchen gefährdet ihre Gesundheit!“. Kleingedruckt und kaum zu sehen, war er der Anfang vom Ende der Zigaretten-Werbung: Er wurde größer, der Text wurde härter: „Rauchen kann tödlich sein!“ und andere konkrete Hinweise auf die Gefährdungen durch das Rauchen. Der nächste Schritt werden sogenannte Schockbilder sein, Bilder von den Folgen des Zigarettenkonsums, die potentielle Raucher abschrecken sollen. Diese Bemühungen haben Wirkung gezeigt: Die Zahl der Raucher ist zurückgegangen, weniger Jugendliche beginnen überhaupt damit. Die zusätzlichen Verbote, in öffentlichen Räumen zu rauchen, weisen in die gleiche Richtung. Was ist das Anliegen, das dahinter steht? Raucher ärgern? Schlechte Stimmung verbreiten? Ich denke, die Gesundheitspolitiker, die all das in langem Kampf durchgesetzt haben, haben ein positives Anliegen: Sie wollen die Menschen vor dem Rauchen und seinen Folgen schützen. Aber selbst als Nichtraucher sehe ich den Schockbildern mit Grauen entgegen: Im Zeitschriftenladen meines Vertrauens werden auch Zigaretten verkauft, auch ich werde diesem Anblick ausgesetzt sein.

Was das mit dem Beichten zu tun hat? In der letzten Woche hatte ich eine interessante Diskussion über das Beichten, das Fegefeuer, die Hölle und die Angst, die dadurch geschürt worden ist. Über Generationen ist in der Sakramentenvorbereitung und in der Predigt mit Angst gearbeitet worden, manche Ältere unter uns haben es am eigenen Leib erfahren. In der Diskussion hieß es: „Das hat Kirche gemacht, um Macht über die Menschen zu behalten!“ Als alleinige Erklärung erscheint mir das aber als zuwenig: Nicht alle Pfarrer, die solches gepredigt haben, sind machtbesessen gewesen. Sie werden sich als Pastoren, Hirten ihrer Gemeinde verstanden haben, für die sie die Verantwortung übernommen haben. In ihren Augen war es ihre Aufgabe, so brachte man es ihnen im Studium bei, ihre Gemeinde zum Himmel zu führen. Und so war über die Jahrhunderte ein Instrumentarium entstanden, um die Leute genau da hinzubekommen. Und genau, wie die Gesundheitspolitiker unserer Tage Schockbilder einsetzen, um ans Ziel zu kommen, so haben die Pastoren auch alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt. So wurde aus der ursprünglich als geistliche Begleitung gedachten Beichte eine mit Furcht und Schrecken verbundene Pflicht. Auch früher gab es dagegen Protest von theologischer Seite, ein alter Spruch empfiehlt dem Priester: „Auf der Kanzel wie ein Löwe, im Beichtstuhl wie ein Lamm!“ Aber die eigene Angst vor dem Versagen hat manchen Pastor dazu geführt, eindeutig die Grenzen zu überschreiten. In der heutigen Seelsorge versuchen wir, wieder auf den Ursprung zurückzugehen: Hilfe zur Bewältigung von religiösen Ängsten, Wachstum im Glauben, geistliche Wegweisung. Für das, was gewesen ist, was an Angst produziert wurde, können wir uns nur entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen Peter Lauschus

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