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Was bringt uns das ?

Diakon Manfred Lohmann

Liebe Mitchristen!

Wir Menschen denken in den Kategorien von Gewinn und Ertrag. Es gehört zu unserem Wesen, dass wir fragen, was unser Tun uns denn bringt.

Das gilt für die große Debatte in Deutschland, ob die weite Öffnung unseres Landes für Flüchtlinge einen entscheidenden Fehler oder einen begrüßenswert christlichen Zug unserer Politik darstellt. Dies gilt aber ebenso auch für unseren Glauben. Viele, die aus der Kirche austreten oder zumindest der Gottesdienstgemeinschaft den Rücken kehren, begründen diese Haltung mit den Worten: «Das bringt mir nichts mehr.» - «Da fühle ich mich nicht mehr wohl» - «Da habe ich nichts von».

Umgekehrt begründen die, die den Gottesdienst und dem Glauben treu bleiben, ihr Verhalten ähnlich: Ihnen hat der Glaube viel gegeben, er hilft ihnen im Leben, der Gottesdienst in der Gemeinschaft mit Gott und den anderen Christen tut ihnen gut.

Wahrscheinlich können wir uns nie so ganz sicher sein, dass das, was wir tun, wirklich selbstlos ist, diese Gedanken gingen mir bei den Diskussionen der letzten Wochen oft durch den Kopf. Manchmal geht es uns um die Anerkennung durch Andere, oder darum, unser eigenes Gewissen zu beruhigen. Nach dem Motto: Wir haben uns einfach alle lieb. Der Rest wird sich schon finden. Manchmal spielt auch die Hoffnung eine Rolle, zumindest einen himmlischen Lohn für unseren Einsatz für andere zu erhalten.

Wie fließend und undurchsichtig die Grenzen sein können, müssen wir uns dabei bewusst machen, wie wenig wir von unserem Tun sicher sein können, dass es wirklich selbstlos ist. Irgendwo haben wir immer auch etwas davon, wenn wir Gutes tun.

Wenn wir uns solche Gedanken machen über die Gründe, warum wir uns bemühen, gut zu sein, so kann man sehr leicht zum Pessimisten werden. Sind wir nicht doch durch und durch Egoisten? Geht es letztlich nicht bei allem, was wir Menschen tun, darum, uns selbst ein gutes Gefühl zu verschaffen? Sogar bei dem, was wir Liebe nennen?

Es lassen sich keine Beweise anführen, ob wir Menschen wirklich in der Lage sind, vollkommen selbstlos zu handeln. Es hat letztlich mit unserem Glauben zu tun: Gott ist kein Pessimist. Er ist davon überzeugt, dass wir wirklich lieben können. Er hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass der Mensch in der Lage ist, sich selbst zu vergessen oder nicht zu wichtig zu nehmen.

Jesus hat uns den Auftrag gegeben, anders zu handeln als die Mächtigen der Welt, weil er es uns zutraut. Weil er weiß, dass wir es können.

Wenn wir das glauben, dann ist es im Grunde egal, warum wir etwas tun. Dann stört es nicht, dass wir bei den Spenden, die wir geben, Steuervorteile erhalten; dass wir bei den Hilfsaktionen, die wir mit freundlichem Begrüßungsapplaus für Flüchtlinge organisieren, in der Achtung anderer steigen; dann kommt es nicht darauf an, ob wir uns selbst wohl fühlen. Alles das ist ja erlaubt und auch gut so, aber eben nicht mehr so wichtig.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir uns schon selten wirklich sicher sein können über unsere eigenen Motive, dann sollten wir vor allem genauso zurückhaltend und wohlwollend sein, wenn wir über die Motive anderer nachdenken. Das gilt dann natürlich auch für die Motive unserer Nachbarn.

 

Ihr

Diakon
Manfred Lohmann CIC

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