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Was ein Grillsteak alles bewirken kann

Pater Michael Janmieling

Als ich dieses Jahr im Urlaub war, machte ich mit einem befreundeten Ehepaar einen kleinen Ausflug zu einem Stadtfest. Es war herrliches Wetter und an jeder Ecke waren Würstchenbuden, Grillsteaks und Bierstände. Irgendwann hatten wir dann den richtigen Verkaufsstand gefunden, tranken unser Bierchen und dazu eine leckere Frikadelle direkt vom Grill. Neben uns setzen sich dann zwei Frauen, die sich ein Grillsteak bestellt hatten. „Sieht auch nicht schlecht aus“, dachte ich mir, „hättest du das mal lieber bestellt.“ Aber die eine Frau schaute so skeptisch auf diese Grillsteak, dass ich mich fragte: „Was hat sie denn?“ Dann holte sie ein Taschentuch aus ihrer Handtasche, in der ein Pendel eingewickelt war. Sie nahm das Pendel, hielt es über das Grillsteak, und es schlug aus. „Ich hab´s mir doch gedacht...“ murmelte sie in sich hinein und holte sich dann ein Gericht mit Gemüse von einem anderen Stand mit asiatischen Spezialitäten. „Das sieht so gesund aus,“ dachte ich mir, „da kann keine negative Strahlung möglich sein.“ Wieder wurde fein säuberlich das Ganze ausgependelt und siehe da: diesmal schlug das Pendel nicht aus, und der Hunger konnte gestillt werden.

Irgendwie war die Situation ganz witzig, aber sie brachte mich auch zum Nachdenken. Wie befreiend ist da im Grunde die christliche Botschaft, die zuerst die positive Kraft sieht. Wir hören es ja im Evangelium: Mit dem Himmelreich ist es wie ... ein guter Same, ein Schatz, eine Perle, ein Sauerteig. Es gibt sicher viel Negatives, Schwieriges und manchmal Schreckliches in der Welt, das ist sicher nicht zu leugnen. Aber wenn nur das unsere treibende Kraft ist, was wird dann aus uns? Wenn man ständig irgendwelche negativen Strahlungen sucht, und das sogar in einem Grillsteak, wo bleibt denn da die Lebensfreude? Religion und Glaube verkümmern dann zu einem bloßen Beruhigungsmittel.

Sich auf die Suche machen nach dem, was dieses Leben so lebenswert macht, das ist die Sehnsucht, die ich in mir trage. Es gab Zeiten in unserer Kirche, da wurde in der Verkündigung sehr einseitig der Akzent darauf gelegt, was der Christ zu tun hat, welche Laster er ablegen muss, was eine Todsünde ist, und die christliche Religion verkümmerte damit bei so manch einem zu einer Religion der Angst.

Aber zuerst kommt die Verkündigung des Wesentlichen: es ist die Fähigkeit des Menschen zu lieben und geliebt zu werden. Gott hat es uns in Jesus Christus gezeigt, wie weit diese Liebe gehen kann und diese Liebe ist es, die uns erneuert und uns zu neuen Menschen macht. Dafür brauche ich kein Pendel.

Ihnen allen eine gute Woche,

P. Michael Janmieling

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