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Datum: 18. Dezember 2017 - 11:55 Uhr

„Was ich in unserer Kirche alles ändern würde…“

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Nach der ersten Überraschungsstarre im Zusammenhang mit dem Rücktritt unseres Papstes habe ich in einem stillen Augenblick darüber nachgedacht, was ich  in unserer  Kirche alles ändern würde, säße ich denn als Nachfolger des hl. Petrus auf der römischen Kathedra.  Ich weiß: solche Gedanken haben den scharfen Beigeschmack der Vermessenheit. Aber trotzdem denke ich sie hin und wieder. Als Papst würde ich so Einiges ändern. Sie sicherlich auch, oder? Als Erstes gäbe es eine Umbenennung des Aschermittwochs. In der neuen Zeit meines Pontifikats hieße der dann „Erdenmittwoch“.

Am vergangenen Mittwoch haben sich viele von uns mit Asche bezeichnen lassen: „Bedenke, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“  - vielleicht klingen Ihnen diese möglichen, begleitenden Deuteworte der Liturgie noch in den Ohren.  In der Regel verbrennen wir für das Startzeichen am Aschermittwoch die Palmzweige des Vorjahres. Das ist uralte Tradition. Aber ich finde: hier ist irgendetwas nicht ganz in Ordnung - aus folgendem Grund:
Das Zeichen des Staubes auf dem Haupt ist ein unglaublich drastisches, uraltes biblisches Bild für Trauer, Klage und Reue. Es führt sinnenfällig vor Augen, dass etwas oder jemand gestorben ist: eine Beziehung, Vertrauen, persönliche Integrität, Lebensfreude -  oft, weil ein geliebter Mensch gestorben ist. Wer eine Handvoll staubige Erde über dem eigenen Kopf ausstreut, der nimmt damit seine eigene Beerdigung zeichenhaft voraus. Besonders der innere Antrieb der Reue hat das Bestäuben mit Erde im Alten Testament zu dem Umkehrzeichen schlechthin werden lassen.

Hier ist nun aber eines wichtig: Die Erde im trockenen Hl. Land ist  nicht nur „etwas“ staubig, sie ist in der längsten Zeit des Jahres ohne Regen nichts anderes als  feiner, trockener Staub. In unserer Gegend gibt es keine Erde in solch einer feinen, staubigen Form. Aber Asche ist staubig. Und so ist wohl im Laufe der Jahrhunderte dieses Zeichen immer mehr in das Alphabet der Symbolsprache der Umkehr und Reue „gerutscht“. Aber da gibt es eben einen Riesenunterschied:

In Asche ist kein Leben mehr. Das Verbrennen von Irgendetwas ist sicherlich ein beredtes Zeichen dafür, dass wir vergänglich sind. Aber es ist nicht der natürliche Vergänglichkeitsprozess unseres Leibes. Wenn wir die Natur ihren ganz eigenen Weg gehen lassen, dann wird einmal aus unserem  Leib Erde.  Wie passend! Denn diese Erde ist es ja auch,  die unserem Leib während unseres Lebens das Leben ermöglicht hat: Alle Kraft, die ich heute in meiner Nahrung und in meinem Trinken zu mir genommen habe, kommt aus der Erde – direkt oder indirekt. Das Leben kommt nicht aus der Asche. Genauer müsste also die Spendeformel am ersten Tag der österlichen Bußzeit lauten: „Bedenke, dass du Erde bist und wieder zur Erde zurückkehren wirst.“

Das aber ist genau der Sinn der neu begonnenen Österlichen Bußzeit: Sich darauf zu besinnen, dass wir Menschen Teil dieser Erde sind. Wir haben eine Verantwortlichkeit für die Schöpfung, für uns selbst, für alle Mitmenschen und alles Leben um uns herum. Das Wort „Humanität“ sagt es: „Humus“ ist die feuchte, nahrungsreiche Erde. Und das lateinische Wort für „Demut“ heißt: „humilitas“: Wenn ich mich in der Fastenzeit als Einzelner bemühe, meine begrenzte Erdhaftigkeit neu anzunehmen, dann zeigt sich das am ehesten darin, dass ich keinen Menschen ausnutzen werde, um mehr zu sein, als „nur“ ein Mensch mit Fehlern, Begrenzungen und Schwächen.

Der Sinn des Fastens ist in diesem Zusammenhang zu verstehen: Gott wird es wohl  egal sein, ob wir Ostern ein paar Kilo weniger auf dem Leib tragen oder nicht. Aber es wird Ihn nicht unberührt lassen, wenn wir durch den Verzicht auf Nahrung oder anderes, was mit unserem Leib zu tun hat, neu unsere Abhängigkeit von der Erde erspüren und uns wieder neu als Teil der Schöpfung in unserer Verantwortlichkeit für sie und die Menschen dieser Erde erfahren.

In diesem Sinne: Eine frohe Fastenzeit!

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer