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Was ist Kirche?
Kirche ist das, was es ohne sie nicht gäbe.

Pfarrer Hubertus Rath

So beginnt der Journalist Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung seinen Artikel anlässlich des Ökumenischen Kirchentages in München im Jahr 2010. Er fährt dann fort:

„Es gäbe keine Räume der großen Stille, der Meditation, des Innehaltens. Es gäbe keinen Raum, in dem Wörter wie Barmherzigkeit, Seligkeit, Nächstenliebe und Gnade ihren Platz haben, es gäbe keinen Raum, in dem noch von Cherubim und Seraphim die Rede ist. Die Poesie der Psalmen hätte keine Heimat mehr. Es gäbe keinen Raum , in dem eine Verbindung da ist zu uralten Texten und Liedern – zu Liedern, die die Menschen schon vor Jahrhunderten gesungen, und zu Gebeten, die die Gläubigen schon vor Jahrtausenden gebetet haben. So aber ist Kirche ein Ort, der Zeit und Ewigkeit verbindet.

Es ist gut, dass es einen Ort gibt, an dem gesagt wird, wer gestorben ist aus der Gemeinde und wie alt er war; es ist gut, das zu hören, auch wenn man den Verstorbenen nicht gekannt hat.

Es ist gut, dass es einen Ort gibt, an dem das Kreuz sein Zuhause hat. Ja, das Kreuz ist missbraucht worden als Drohzeichen, als Mord- und Eroberungsinstrument. Trotz alledem: es ist das gute Zeichen des Christentums. Ein Gott, der gelitten hat, der umgebracht wurde, der also weiß, was Leiden ist, bei dem ist das Leid der Menschen aufgehoben.
Ohne die Kirche gäbe es keinen öffentlichen Raum, in dem ein Mensch weinen kann, bei irgendeinem Lied, bei einer Fürbitte, die ihn anrührt.

Kirche ist das, was es ohne sie nicht gäbe. Es gäbe keine Kirchenglocken, keine Christmette, es gäbe keine Kirchenchöre, in denen der Handwerksmeister, die Lehrerin, der Versicherungsmakler und die Krankengymnastin nebeneinander stehen und Bachchoräle singen.

Es gäbe den Blick nicht über die Dörfer, mit den Kirchturmspitzen, es gäbe nicht die heiligen Haltestellen in den Großstädten der alten und neuen Welt, die Kathedralen und Dome, die mehr sind, als ein Erbe.

Es gäbe nicht die Orte der Kraft, wie Maria Laach, Ebrach, Maulbronn, Corvey, Melk, Klosterneuburg, Zwettl oder Heiligenkreuz. Die Klöster sind Orte, die heute noch weiter aus der Welt gefallen sind als je in ihrer Geschichte; die Klöster waren Hochburgen des Glaubens, der Weltflucht, der Askese, aber auch Keimzelle von Bildung, Wissenschaft und Kunst.“

(Zit. aus: Paul M. Zulehner, Verbuntung, Schwabenverlag, S. 160f.)

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche,

Ihr
Pfarrer Hubertus Rath

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