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Weihnachtszeit ist Segenszeit

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Schon lange vor der Bescherung war der Segen mit jedem Wunsch für ein gesegnetes Weihnachtsfest in aller Munde. Es gibt den Kindersegen an der Krippe. Für das Neue Jahr sind viele von uns während eines Gottesdienstes mit einem Segen ausgerüstet worden. In unserem Pastoralverbund bieten wir in diesen Tagen die Segnung von Vieh und Stallungen an. Und am Sonntag werden unsere Sternsinger sehr viele Segenswünsche über Türen schreiben – Weihnachtszeit ist besondere Segenszeit.

Bei allem, was wir immer wieder erleben, besteht die Gefahr der Inflation: Wir wissen es kaum noch zu schätzen. Das kann auch beim Segen passieren. Wir werden ja das ganze Jahr über gesegnet, und in der Weihnachtszeit dann noch mal besonders häufig. Was macht den Wert des Segens für uns dann noch aus?

Ein Segen ist kein Zauberspruch, mit dem wir irgendwelche Kräfte des Himmels zu irgendwelchen Aktionen hier auf der Erde bewegen könnten. Segen hat keine magische Kraft. Ein Segen verändert auch nichts in Gott: er bleibt in seiner Zuwendung zu uns Menschen ganz frei. Und Gott macht seine Liebe zu uns Menschen auch nicht davon abhängig, ob wir durch ein Segenswort einem anderen Menschen dies wünschen. Ein Segen verändert nichts in Gott. Aber er kann alles in uns Menschen verändern.

Vor allem in der Krankenhausseelsorge erlebe ich das immer wieder: Wenn ich am Ende eines Gespräches den Eindruck habe, es sei jetzt dran, dem Kranken einen Segen anzubieten, dann spüre ich ganz deutlich, dass ihn dieser Segen nicht unberührt lässt: diese Zusage der Liebe Gottes bewirkt eine Bewegung in seinem Inneren, die ganz oft mit einem Überlaufen der Augen mit Tränen einhergeht. Ein persönlich, körperlich ganz nah zugesprochener Segen bringt oft etwas ganz neu in Fluss, was ohne dieses Segenswort nicht in dieser Lebendigkeit erfahrbar wäre: Die tiefe Überzeugung: „Gott dreht dir doch nicht den Rücken zu. Er wendet dir sein Antlitz zu.“

Das können wir uns immer wieder schenken. Segnen kann jede und jeder jeden anderen. Manchmal habe ich dabei den Eindruck, wir schämen uns ein wenig, einen anderen Menschenzu segnen: mit einer Geste und einem guten Wort die Liebe Gottes spüren zu lassen. Vielleicht entdecken Sie es neu, was den Kindern bedeuten kann, wenn Sie sie als Eltern oder Großeltern einfach (ich meine wirklich: einfach und nicht kompliziert) segnen. Oder es kann Ihrer Liebe und Ihrer Ehe noch einmal ein ganz anderes Erfahren schenken, wenn Sie sich als Eheleute gegenseitig segnen – zu bestimmten Anlässen oder auch mal zwischendurch. Zeit zum Segen ist immer – und das nicht nur zur Weihnachtzeit!

Wissen Sie sich gesegnet!

 

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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