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Weihrauch

Pater Michael Janmieling

Was verbinden Sie mit der Verwendung von Weihrauch im Gottesdienst? Ich selber erlebe bei den Menschen oft die verschiedensten Reaktionen. Als Kind empfand ich Weihrauch nur schrecklich, mir wurde schon übel, wenn ich das Zeug von weitem sah. Manchmal brach ein Messdiener neben mir zusammen und so fragte ich mich schon als Kind: Muss das sein? Heute weiß ich, dass es auch anderen Weihrauch gibt, der nicht nur qualmt und stinkt. Selbst die Kinder im Kindergarten fallen dabei nicht um, sondern sie sind begeistert vom Duft und vom Rauch. Jugendliche finden Weihrauch mittlerweile irgendwie „cool“ und kein Wellnessangebot kommt heute mehr ohne irgendwelche Düfte aus. Egal wie, Weihrauch bewirkt etwas.

Aber ist das alles? Ist Weihrauch nur dafür da? Nein, Weihrauch will als ein Zeichen, ein Symbol auf etwas hinweisen. Beim Gottesdienst heißt es ja: Erhebet die Herzen! Nichts ist wichtiger, als dass wir loskommen aus den Zerstreuungen, von unseren Sorgen und von so mancher Last. Der Weihrauch drückt dies so schlicht und einfach aus. „Ein Geheimnis der Schönheit, die von keinem Zweck weiß, sondern frei aufsteigt. Der Liebe, die brennt, und verbrennt und durch den Tod geht.“ (Romano Guardini)

Wenn die Gaben bei der Gabenbereitung beräuchert werden, dann um zu zeigen, dass sie nun aus ihrem normalen Alltagsgebrauch ausgesondert werden. Wenn der Priester inzensiert d.h. beräuchert wird, dann nicht weil er etwas besonderes ist, und deshalb „beweihräuchert“ werden muss. Nein, denn die Gemeinde wird genauso inszensiert, um auszudrücken: Jeder von uns steht als Getaufter in einer besonderen Beziehung zu Christus. In jedem von uns ist Christus gegenwärtig, trotz so mancher Schwachheit und Ohnmacht.

Man könnte noch vieles sagen, aber eines scheint mir schon wichtig in dieser Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest: Weihrauch wird aus Harz hergestellt. Jeder von uns weiß, dass Harz aus der Wunde eines Baumes fließt. Somit sind Weihrauchkörner im Grunde hart gewordene Wunden. Bevor in der Osternacht die Osterkerze am Osterfeuer entzündet wird, kann der Priester fünf Weihrauchkörner als Zeichen der fünf Wunden Jesu in die Osterkerze einfügen. In diesen Weihrauchkörnern können wir aber auch unsere eigenen Wunden sehen, denn jeder von uns trägt in sich Verletzungen, die uns irgendwie verhärtet haben, so wie das Harz der Bäume. Und wie die Bäume wollen auch wir uns schützen. Wir sehen unsere Wunden nicht gerne an und wir können sie nicht selber heilen, aber wir können sie hineinlegen in die Glut der Liebe Christi. Diese glühende Liebe macht sie wieder weich und verwandelt sie in einen wohlriechenden Duft. In diesem Vertrauen dürfen wir auf Ostern zugehen, so wie es uns der Petrusbrief sagt: „Durch seine Wunden sind wir geheilt!“

 

P. Michael Janmieling

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