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Pfarrnachrichten:

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Wenn die Totenglocke läutet

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Mitten im hellen Frühsommer titelt DER SPIEGEL mit einem dunklen Thema: „Ein gutes Ende – Wege zu einem würdevollen Sterben“ (Nr. 22/26.05.12). Das hat mich zunächst überrascht. Dann aber auch wieder nicht. Denn zur Zeit geht mal wieder die Debatte durch unsere Politikerbänke, ob denn nicht vielleicht doch unter bestimmten Bedingungen auch in unserem Land eine genau umrissene Form der aktiven Sterbehilfe möglich sein darf.

Solch eine aktive Sterbehilfe soll durch ein Eingreifen direkt den Tod eines Menschen, der vielleicht sonst noch lange nicht stirbt, bewirken, um ihn etwa von großen Qualen zu befreien. In diesem Pfarrbrief finden wir sicher keinen Raum, diese ethische Frage zu diskutieren. Aber es wird doch deutlich, dass das Thema „Tod und Sterben“ immer aktuell ist – nicht nur in der dunklen Zeit des Novembers.

Dies hat mir Mut gemacht, auch in dieser frühsommerlichen Ausgabe der Pfarrnachrichten an dieser Stelle ein Anliegen an Sie weiterzugeben,
das mir schon lange wichtig geworden ist.

In unseren Gemeinden und Dörfern geschieht das Sterben eines Menschen und der Abschied von ihm in der Regel nicht anonym. Meistens haben die Freunde, Nachbarn und Gemeindemitglieder die Möglichkeit, zusammen mit den Angehörigen von dem/der Verstorbenen Abschied zu nehmen. Dies entspricht unserem Verständnis einer christlichen Gemeinschaft: Sie endet nicht mit dem Tod. Vielmehr findet sie nach unserem Verständnis erst ihre Erfüllung im Sterben, das uns durch die Auferstehung in die vollkommene Gemeinschaft der Heiligen führt. Darum ist es gut, wenn wir vom Sterben eines anderen erfahren.

Dieses öffentliche Anteilnehmen beginnt in unseren Gemeinden oft mit dem Klang des Totengeläuts. Diese Praxis hat sich in den zurückliegenden Zeiten zu einem „Informationsläuten“ entwickelt. Und auch heute ist es nicht selten so, dass direkt nach dem Geläut die Küsterinnen und Küster angerufen werden, mit der Frage, wer denn nun
verstorben sei.

Ursprünglich hatte das Totengeläut eine ganz andere Intention: Lag ein Mensch im Sterben, wurden durch den Klang einer tiefgestimmten Glocke die Gemeindemitglieder zum Gebet in die Kirche oder in das Sterbehaus gerufen, um gemeinsam dem/der Sterbenden den letzten Weg zu erleichtern. Er/sie sollte die Solidarität Aller erleben - gerade in diesen schweren Stunden. Sein/ihr Weg in die Ewigkeit sollte durch Gebet und Bitte begleitet werden.

Könnte diese Praxis nicht wieder lebendig werden? Sicherlich werden nicht Alle in die Kirche gehen können, wenn demnächst die Totenglocke läutet. Aber neben der Frage, wer denn verstorben ist, könnte doch unser gemeinsames Gebet für den/ die Verstorbene/n eine stärkende Solidarität mit dem Verstorbenen und den Angehörigen erlebbar machen.

Darum möchte ich Ihnen hier einen Gebetsvorschlag  machen. Vielleicht können Sie dieses Gebet ausschneiden und den Zettel in Ihrer Wohnung an einem Ort aufbewahren, wo Sie ihn schnell finden können. Wenn dann wieder einmal die Totenglocke läutet, könnte unser gemeinsames Gebet lauten:


„Gott unseres Lebens.

Das Geläut der Glocke sagt mir, dass ein Mensch gestorben ist. Vielleicht habe ich ihn gekannt, vielleicht bin ich ihm noch nie begegnet.

Ich bitte Dich jetzt zusammen mit vielen Anderen: Nimm diesen Menschen auf in Dein ewiges Leben. Schenke Liebe und Erbarmen, wo es die Not dieses Menschen nun braucht. Heile alle Wunden des vergangenen Lebens und stille nun alle Sehnsucht nach Dir, dem Gott des Lebens.

Zusammen mit unseren Verstorbenen bete ich: Vater unser …


Muttergottes, ich bitte auch Dich um Deine Fürsprache: Gegrüßet seist Du, Maria …

Herr, gib allen unseren Verstorbenen die ewige Ruhe – und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen im Frieden. Amen“


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