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Wenn es persönlich wird ...

Pater Michael Janmieling

Als Seelsorger im pastoralen Raum Bad Driburg freue ich mich immer, wenn mir Menschen nach der Predigt eine Rückmeldung geben. Das ist nicht immer der Fall, und braucht es auch nicht sein. Aber eines ist mir aufgefallen: Je persönlicher die Predigt wird, umso stärker bewegt sie die Menschen. Je mehr ich aus meinem eigenem Leben erzähle, wie ich in dieser oder jener Situation das Evangelium verstanden habe, desto intensiver hören die Menschen zu. Ich glaube, darin steckt eine ganz tiefe Sehnsucht unserer Zeit: Die Spuren Gottes im eigenen Leben zu finden.

„Denke daran, die Predigt, das bist du zuerst selber. Dein Leben, das ist die erste Predigt.“, diesen Ratschlag gab mir der Bischof bei der Weihe zum Diakon und heute merke ich, er hatte recht. Für viele ist Gott irgendwie weit weggerückt und man traut ihm gar nicht mehr zu, dass er auch mit unserem alltäglichen Leben etwas zu tun hat. Gott scheint „philosophisch“ und „theologisch“ geworden zu sein und demnach nicht mehr der Gott Abrahams, Isaaks und der Gott Jakobs zu sein. Das heißt, der Gott, der mich bei meinem Namen ruft, der mich braucht und der seine und meine Geschichte mit mir schreiben möchte.

Papst Paul VI formulierte das einmal so: „Die Welt braucht heute mehr Zeugen als Lehrer.“ Es gibt sicher viele, die den Glauben lehren, und das ist auch gut so. Aber wo sind die wirklichen Zeugen des Glaubens? Wo kann man an unserem Leben und aus unseren Handeln etwas von unserem Glauben ablesen? Wie bringen wir z.B. den Glauben unseren Kindern nahe, wenn wir sie auf die Erstkommunion vorbereiten?

Wenn Glaube ein Gesicht bekommt, dann wird Gott erlebbar. Das spüre ich auch, wenn ich z.B. die Krankenkommunion zu den alten Menschen in unseren Pfarreien bringe, die vielleicht noch den Krieg miterlebt haben oder so manches Schicksal durchgestanden haben und die mir dann über ihren Glauben erzählen. Oft gehe ich selbst als der Beschenkte nach Hause. Wenn der Glaube persönlich wird, dann wird es spannend. Dann ist dieser Gott doch nicht so weit entfernt und das Evangelium wird lebendig. Unser Leben, das ist die erste Predigt.

 

Ihnen eine gute Woche,
P. Michael Janmieling

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