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„Wenn guten Menschen Böses widerfährt …“

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

- so lautet der Titel eine Buches des amerikanischen Rabbiners Harold S. Kushner. Der Autor erzählt  in diesem Buch vom Tod seines jugendlichen Sohnes. Er beschreibt den inneren Kampf, den das Sterben seines Kindes in ihm ausgelöst hat. Dieser Kampf kann mit der Frage umrissen werden: „Wie kann es einen gerechten Gott geben, der den Tod meines Sohnes zulässt!?“. Harold Kushner hat für sich eine Antwort auf diese Frage gefunden, die ihn nicht am Glauben verzweifeln ließ.

Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag und im Beitrag der nächsten Pfarrnachrichten meine ganz persönliche Antwort auf diese bedrängende Frage anbieten, wie wir an einen gerechten Gott glauben können, wenn wir für unser Empfinden ungerechtes Leid erfahren.  Diese Frage begegnet mir im Krankenhaus im Rahmen meiner seelsorglichen Tätigkeit als Klinikseelsorger nämlich immer wieder: „Wir haben doch keinem Menschen etwas getan – warum bekomme ich denn jetzt diesen unheilbaren Krebs?“ „In unserer Familie hat es doch schon so viele Schicksalsschläge gegeben – wofür will uns der Herrgott denn jetzt bestrafen?“

Ich gehe davon aus, dass Sie Alle solche Fragen kennen – entweder, weil Sie sich schon selbst gestellt haben -  oder  weil Sie Menschen kennen, die von diesen Fragen gequält werden, weil ihnen als guten Menschen eben Böses widerfährt.

Diese Fragen sind so alt wie der Glaube an den Gott der Bibel. Immer schon haben sich Menschen gefragt, wie es einen gerechten Gott angesichts des Leids in der Welt geben kann. In der Theologie heißt dieses Fragen „Theodizee“. In diesem Begriff sind die griechischen Worte für „Gott“ („theos“) und „Urteil“ („dikae“) enthalten. Gott wird hierbei vor unseren inneren Gerichtshof zitiert und er wird als ungerecht verurteilt, wenn er wirklich dafür verantwortlich ist, dass guten Menschen Böses widerfährt.

Es mangelt in der Theologie und Philosophie nicht an Versuchen, für diese Problematik eine Lösung zu finden  - angefangen von sehr praktischen Angeboten („Jede Strafe ist eine Hilfe zum Fortschritt“) bis hin zu sehr ohnmächtigen  Ansätzen („Darüber kann man nur schweigen“) haben immer wieder Menschen versucht, eine Antwort auf diese Frage nach der Gerechtigkeit Gottes zu finden.

Keine davon ist dabei für mich hilfreich gewesen. Und damit auch nicht für die Menschen, die mich in der Krankenhausseelsorge um eine Antwort bitten.

Aber es gibt eine für mich hilfreiche Antwort.  Dabei bin ich mir bewusst, dass diese Antwort nicht immer meine bleiben muss. Vielleicht werde ich noch Dinge erleben, die mir diese Antwort dann auch wieder zunichte machen werden. Aber weil es hier und heute meine persönliche Antwort geworden ist,  möchte diese gerne an Sie weitergeben. Vielleicht können Sie etwas damit anfangen, vielleicht ist es eine Hilfe für Sie. Mein Angebot werde ich Ihnen dann in den nächsten Pfarrnachrichten unterbreiten. Bis dahin möchte ich Sie einladen, in immer mal wieder geschenkten ruhigen Minuten der nächsten Woche sich selbst mit der Frage zu beschäftigen, wie Sie mit der Problematik der „Theodizee“ bislang umgegangen sind. Womöglich fallen Ihnen viele Situationen ein, in denen Sie dachten: „Wenn es wirklich einen Gott gibt, dann kann der das doch nicht so einfach zulassen!“ Wenn in Ihnen diese oder ähnliche Fragen in der kommenden Woche wach werden, werden Sie gut auf mein Angebot meiner Antwort vorbereitet sein.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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