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„Wenn guten Menschen Böses widerfährt …“ – Angebot einer Antwort

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu sehr geärgert, weil ich Ihnen heute erst meine persönliche Antwort auf die Frage anbieten möchte, wie wir angesichts des vielen Leids an einen gerechten Gott glauben können. Hier ist sie jetzt:

Ich gehe davon aus, dass es stimmt, was im 1. Johannesbrief  steht: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 16b). Er hat nicht nur ein wenig Liebe -  hin und wieder mal, in ihm ist nicht nur Liebe -  er ist es durch und durch. Kennzeichen einer wirklichen  Liebe aber ist es, dass der Liebende die Freiheit des Geliebten möchte. Darum hat uns Gott so geschaffen, dass wir in Freiheit zu ihm  „Ja“ oder „Nein“ sagen können. Wenn wir aber „Nein“ sagen, dann sagen wir „Nein“ zur Liebe. Und dann geschieht Leid in der Welt. Es geschieht vielleicht nicht direkt durch uns, aber wir alle haben schon erfahren, dass wir Leid erlebt haben, weil andere Menschen gegen die Liebe gehandelt haben, mit denen wir irgendwie zusammenhingen. Dieses Leid hat dann aber nicht Gott gemacht, sondern wir Menschen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was eine unheilbare Krebserkrankung oder eine Naturkatastrophe mit nicht gelebter Liebe zu tun haben sollen.  Naturwissenschaftler, die nicht an Gott glauben konnten, haben herausgefunden, dass alle Kräfte dieser Welt genau so konstruiert sind, dass in ihr menschliches Leben bestehen kann. Meine Folgerung: Wenn wir Menschen von Gott mit Freiheit ausgestattet sind und die Welt auf uns Menschen hin konstruiert ist, dann muss es auch in der Schöpfung „Spuren von Freiheit“ geben. Darum ist für mich nicht jeder Tsunami, nicht jedes Erdbeben, nicht jeder Orkan, bei dem Menschen ums Leben oder zu Schaden kommen, deshalb entstanden, weil Gott in seinem himmlischen Weltleitungscockpit einen Schalter umgelegt hat.  Viel Leid geschieht in der Welt und der Natur, weil es eben das Prinzip der Freiheit auch hier gibt.

Soweit so gut. Gott ist also nicht immer für das Leid der Welt verantwortlich. Das würde mir aber noch nicht reichen. Doch jetzt setzt das Besondere unseres christlichen Glaubens ein: Denn wir haben einen Gott, der nicht nur Leid zulassen muss, weil er uns Menschen und auch viele Teile der Welt mit Freiheit ausstatten musste, wir haben einen Gott, der uns in diesem Leid nicht allein lässt. Seit dem Kreuz seines Sohnes gibt es kein Leid mehr, das er nicht mitmacht. Gott hat nicht nur Mitleid mit uns, er leidet 1 : 1 mit uns mit: in jeder Krebserkrankung, in jeder Naturkatastrophe, in jedem Terrorakt geht er grenzenlos in das Leid von uns Menschen hinein.

Das ist meine Antwort auf die Frage, wie ich angesichts des ungerechten Leids in der Welt noch an einen Gott glauben kann, der angeblich gerecht und gut sein soll.

Vielleicht kann ich Ihnen mit dieser Antwort ein wenig helfen, wenn  Ihnen als guter Mensch Böses widerfahren soll.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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