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„Wer heimgeht zum Vater, bleibt in der Familie“

Wenn Sie mal die Abtei Königsmünster in Meschede besuchen, dann achten Sie auf die beiden Halbkreise im Kirchenraum, die nicht zueinander passen. Architektenfehler? Unachtsamkeit? Keines von beiden, so erklärte mir ein Pater bei einer Besichtigung, sondern folgende Bewandtnis:

Wenn Sie die Abteikirche durch das Hauptportal betreten, erkennen Sie sofort den Halbkreis im Chorraum um den Altar mit der Öffnung zum Kirchenschiff und davor in einem Halbkreis das Chorgestühl der Patres mit der Öffnung zum Altar hin. Auf den ersten Blick bilden die, die bei der heiligen Messe als Konzelebranten um den Altar stehen mit den Patres im Chorgestühl eine Einheit, ein Ganzes, einen Kreis, Symbol der Vollkommenheit und Vollständigkeit.
Auf den zweiten Blick aber fällt auf, dass der Kreis des Chorgestühls einen größeren Radius hat und die beiden Halbkreise sich also nicht schließen. Denn nicht der innere Kreis entlang der Chorwand bildet das Gegenstück, sondern der Halbkreis aussen um die Chorwand passt zum Chorgestühl. Und dort liegen die verstorbenen Mitbrüder des Konventes. Vollständig um den Altar Jesu Christi versammelt ist der Konvent mit den lebenden und verstorbenen Brüdern, getrennt nur durch die Wand des Todes. Da wird auf sehr eindringliche Weise verständlich, was Gemeinschaft der Lebenden und der Toten bedeutet. „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir gehören zum Herrn.“ (Röm 14, 8)

Diese Verbindung über den Tod hinaus findet auch sinnenfälligen Ausdruck, wenn der Friedhof rund um die Kirche angelegt ist, wie es heute noch in bayerischen und österreichischen Kirchen der Regelfall ist und in unserer Heimat bei vielen Kirchen war, aber aus platz- und hygienischen Gründen geändert worden ist. Trotzdem liegen die Friedhöfe nie weit ausserhalb unserer Städte und Dörfer. Das hat natürlich etwas mit Erreichbarkeit zu tun, aber auch mit dem Gedanken der Verbundenheit. Auch unsere Verstorbenen gehören zu unserer Gemeinschaft, Kommunität, unserer Kommune. Zu ihrer Zeit haben sie uns, unsere Gemeinde und unsere Stadt, unser Dorf mitgeprägt auf ihre je eigene Weise. Es gibt keinen Grund, sie irgendwo weit ab zu verstecken, sondern sie gehören mit dazu.

Abgegrenzt und geschützt zwar durch eine Friedhofsmauer oder Friedhofshecke, um deutlich zu machen, dass es ein besonderer Ort ist mit eigenen Regeln, in dem die alltägliche Geschäftigkeit keinen Platz hat, aber nicht um zu trennen, sondern um zu zeigen, dass auch die Trauer eigene Regeln hat und der Trauernde geschützt sein will.

Sie gehören mit dazu, weil wir ihnen einen festen Platz in unserem Lebensbereich zusichern und sie dort auch aufsuchen. Die Gräber der eigenen Angehörigen haben dann für uns eine besondere Bedeutung, klar, aber auch im Vorbeigehen werde ich durch die Grabsteine an viele Menschen erinnert, die in meinem Leben oder im Leben der Gemeinschaft eine Rolle spielten, an die ich denken kann und für die ich ein Gebet sprechen kann.

Friedhöfe haben eine größere Bedeutung für unser Gemeinschafts- und unser Seelenleben, als nur eine Möglichkeit unter vielen anderen Bestattungsarten zu sein Für uns Glaubende sind sie Stätte des Gebetes, für Nichtglaubende zumindest der Hinweis, dass man das Leben nicht neu erfindet, sondern vieles dem Leben, dem Engagement anderer verdankt und auf ihnen aufbaut. Unsere Verstorbenen gehören mitten in und zu unserem Lebensort, weil wir mit ihnen dem Herrn gehören oder weil wir auf ihrem Lebenswerk auf- und weiterbauen.

„Wer heimgeht zum Vater, bleibt in der Familie“ (Augustinus)

 

Ihr Pfarrer Hubertus Rath

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