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"Werft die Netze nochmals aus"

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,
seit Weißem Sonntag geht mir der Satz nach: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ Üblicherweise wird dieser Satz Jesu als Lob an alle verstanden, die nicht wie Thomas handgreifliche Beweise fordern.
Aber Sehen und Glauben hängen doch eng zusammen und sind nicht zu trennen: Man sieht den Reichtum der Kirche und empfindet das abstossend. Man sieht eine Kirche mit einer intoleranten Haltung gegenüber anderen Konfessionen, gegenüber Menschen, die geschieden sind oder eine alternative Sexualität leben und empfindet sie abstossend. Man sieht eine Kirche, die Frauen und Männer nicht gleichberechtigt behandelt, und schüttelt verständnislos den Kopf.  Man sieht den Missbrauchsskandal als Höhepunkt der Doppelmoral und findet ihn abstossend.
Wenige Beispiele, die zeigen, wie das, was man sieht, sich dem, dem man glauben will, in den Weg stellt.
Ich sehe das alles auch, aber ich sehe auch noch etwas ganz anderes: Ich sehe die Rosa Schwestern, die bereit sind in allen Anliegen für uns zu beten. Ich sehe die Jugendlichen, die in KJG, KLJB, Messdienerschaft oder offenem Jugendtreff ihre Freizeit einsetzen, um für andere Kinder und Jugendliche Gruppenstunden, Treffs und Zeltläger anzubieten. Ich sehe die Männer und Frauen des Weltladens und Weltkreises, die faire Produkte anbieten und das Thema reiche Welt – arme Welt in unserer Mitte präsent halten. Ich sehe unsere Caritasgruppen mit ihrem Beratungsangebot, den Kleiderkammern und dem Wissen über die soziale Lage in ihrem Bezirk. Ich sehe die Frauen und Männer, die ihre Kirche in Ordnung halten usw.
Wenige Beispiele, die den, dem man glauben will, in den Vordergrund stellt.
Und jetzt sehe ich auch in einer wissenschaftlichen Studie aus Freiburg bestätigt, was ich im Gefühl hatte: Bis 2060 werden die beiden großen Kirchen 40%  ihrer Mitglieder verloren haben. Das lähmt, nährt den Gedanken der Vergeblichkeit und des Scheiterns.
Aus einem anderen Blickwinkel aber sehe ich, dass zu den 40% sicherlich nicht die gehören werden, die den, dem man glauben will, in den Vordergrund stellen. Und vielleicht ist diese massenweise Abwendung notwendig, damit der schwerfällige Apparat deutsche Kirche endlich an den anstössigen Dingen arbeitet, die sich dem in den Weg stellen, dem man glauben will. Immerhin seit der Würzburger Bischofssynode  in der ersten Hälfte der 70er Jahre sind diese Themen benannt und immer wieder ins Gespräch gebracht worden.
„Werft die Netze nochmals aus
links und rechts
in- und ausserhalb der Kirche.
Werft sie nochmals aus.
Aber Herr, unsere Netze sind zerrissen
zerschlissen in 2000 Jahren
die müssen wir doch erst flicken.
Nehmt meine Netze
und werft sie aus
heute noch.“
(Hans Brunner).

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer
Hubertus Rath

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