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Wir weigern uns Feinde zu sein

Gemeindereferentin Bilinda Jungblut

Jeder Christ verbindet mit der Stadt Bethlehem die Geburt Jesu Christi. Gott wurde Mensch, um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt und uns zu ermutigen, menschenwürdig, solidarisch und friedlich miteinander umzugehen.

Heute leben in Bethlehem ca. 30.000 durchweg arabische Menschen, Muslime und Christen. Die Region gehört zu dem autonomen Palästinenser-Gebiet. Seit 2002 umzieht nördlich von Bethlehem eine 8 m hohe israelische Sicherheitsmauer die Region. Dadurch ist das Leben der Bewohner dieser Stadt sehr schwer geworden. Bewegungsfreiheit? Gibt es nicht. Wer in das 10 km entfernte Jerusalem fahren will, benötigt eine Spezialerlaubnis der israelischen Behörde. An den meisten Werktagen bildet sich morgens um zwei Uhr eine Menschenschlange von mehreren hundert Männern, die Arbeit in Israel suchen, auf der Bethlehemer Seite der Mauer. Die Kontrolle am Checkpoint kann dann bis zu 2 Stunden dauern und garantiert nicht das Verlassen der Stadt. Des Weiteren beeinflussen hohe Arbeitslosigkeit, wenig Vertrauen in die Zukunft, Enteignung der Felder, Angst, Elend, Empörung, Hoffnungslosigkeit den Alltag der dortigen Menschen. Viele Christen verlassen Bethlehem, weil sie für sich keine Chance einer menschenwürdigen Existenz sehen.

Sowohl die Gemeinde „Zum verklärten Christus“ als auch Mitglieder unseres Pastoralteams haben Kontakt zu Menschen in Bethlehem.

Ich möchte Ihnen heute einen Bewohner Bethlehems vorstellen, den ich seit 12 Jahren kenne.


Daoud Nassar (* 18. Oktober 1970 in Bait Dschala) ist Palästinenser, evangelisch-lutherischer Christ und Friedensaktivist. Neben seiner Schulausbildung in Bethlehem besuchte er im österreichischen Kirchdorf an der Krems das Gymnasium u. bestand dort 1991 die Matura. Anschließend studierte er an der Universität in Bethlehem Betriebswirtschaft. Er spricht fließend Deutsch und absolvierte 1997/98 in Bielefeld an der Fachhochschule das Aufbaustudium in „Internationalem Tourismus Management“. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


2001 besuchte Daoud–David Bad Driburg und berichtete in zahlreichen Veranstaltungen von seinem Projekt „Zelt der Völker“(„Tent of Nations“).

Er besitzt ein 42 Hektar großes Stück Land südlich von Bethlehem, das er von seinem Großvater erbte. Daouds Großvater Daher hatte es 1916 von einem palästinensischen Bauern aus Nahalin gekauft (Kaufurkunden aus der osmanischen Zeit liegen vor) und pflanzte dort Obstbäume und Weinstöcke an. Dieses Land wird seither Dahers Weinberg genannt.

Während andere Palästinenser den Druck des israelischen Staates nicht aushalten und zur Gewalt greifen, ist Daoud Nassar ausgewiesener christlicher Pazifist. Mit seinem Projekt „Zelt der Völker“, das er auf seinem Land als Begegnungsstätte betreibt, führt er vor allem junge Menschen aus verschiedenen Völkern und Kulturen an Verständigung, Gewaltfreiheit und Frieden heran.

Am Eingang seines Weinbergs hat er einen großen Stein aufgestellt mit der Inschrift auf arabisch, hebräisch und deutsch „Wir weigern uns Feinde zu sein“. Besuchergruppen, denen er von seinem Projekt, seiner Arbeit und den Schwierigkeiten erzählt, weist er ausdrücklich darauf hin, auch immer die israelische Seite zu hören und zu sehen. Denn nur so kann Frieden entstehen! Sowohl in Deutschland als auch in Amerika hat er Friedenspreise erhalten.

Seit 1990 sieht sich Daoud Nassar ständiger Bedrohung ausgesetzt: Von Seiten des israelischen Staates wird ihm immer wieder sein urkundlich nachgewiesenes Besitzrecht des Weinbergs streitig gemacht. Er muss stets teuer vor Gericht sein Recht verteidigen. Ihm wird untersagt, auf seinem Weinberg Gebäude zu errichten (auch kein Zelt). Ferner ist er von der öffentlichen Wasser- u. Stromversorgung abgeschnitten. Im Mai letzten Jahres rückte das Militär an und forderte ihn auf, innerhalb von 3 Tagen das Projekt „Zelt der Völker“ aufzugeben und das Land zu räumen. Nur internationaler Druck konnte dies verhindern.

Ferner sieht er sich immer wieder feindlichen Angriffen von jüdischen Siedlern gegenüber.

Am 26./27. März möchte der Pastoralverbund Bad Driburg die Friedensarbeit von Daoud Nassar unterstützen. Alle Gläubigen sind eingeladen, sich an einer Baumpflanzaktion (10.-- € pro Baum) zu beteiligen.

Genauere Information über dieses Projekt „Zelt der Völker“ und über die Solidaritätsaktion unseres Pastoralverbundes erfolgt im nächsten Pfarrbrief. Sie können sich über Daoud Nassar zwischenzeitlich auch im Internet informieren unter: www.tentofnations.org, http://de.wikipedia.org/wiki/Daoud_Nassar oder einfach über Google Daoud Nassar eingeben.

 

Eine gute Woche wünscht Ihnen

Ihre

Bilinda Jungblut

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