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Woher kommst Du? Wohin gehst Du?

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,

seit Anfang September bewegt mich eine Geschichte. Ich habe sie schon im Kommunionunterricht, als Sonntagspredigt und als Predigt bei Begräbnisfeiern verwendet.

Ein kleines Mädchen fragt seine Oma: „Oma, wo war ich, bevor ich geboren war?“

Nun könnte man rein naturwissenschaftlich korrekt antworten: „Im Bauch deiner Mutter.“ Aber die Oma ist phantasiebegabter und lebenserfahrener und antwortet: „Du warst als Wunsch im Herzen deiner Eltern.“

Wieviel mehr drückt die Oma damit aus, als mit der rein naturwissenschaftlich korrekten Antwort. Das Mädchen weiß jetzt, sie ist erwartet und erwünscht. Schon lange vor der Geburt und der Empfängnis haben die Eltern an sie gedacht mit Sehnsucht, Liebe und freundlichen Gedanken. Und sie hat nicht nur einen Platz in der Familie, an der Seite der Eltern, Geschwister und Großeltern, sondern im Herzen ihrer Eltern.

Trotzdem ist das Mädchen noch nicht ganz zufrieden und fragt weiter: „Und wo war ich davor?“ Darauf weiß die Oma auch keine Antwort und braucht erst mal Zeit zum Nachdenken. Das Kind geht weiter spielen und kommt nach einer Stunde wieder strahlend zur Oma und sagt: „Ich weiß, wo ich war: Ich war in Gott versteckt.“

Woher komme ich? Wie bin ich geworden, was ich bin? Natürlich kann ich mich bei der Beantwortung dieser Fragen auf das rein Faktische stützen. Und wenn ich einen Lebenslauf zur Bewerbung schreibe, sollte ich das auch tun. Aber wie wenig sagt ein solcher Lebenslauf über mich aus. Meine Gedankenwelt, meine Freuden und Sorgen, meine Freundlichkeit und soziale und emotionale Kompetenz kommen darin überhaupt nicht vor. Erst recht verschweigt dieser Lebenslauf, dass andere Menschen mit ihrer Herzensgüte und Verbundenheit oder auch Menschen mit ihrer Kälte und Unfreundlichkeit mich von klein auf zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Und wie wenig sagt ein solcher Lebenslauf erst recht aus über das, was ich glaube, was mir wichtig ist, worauf ich hoffe.

Wie schon das Mädchen in der Geschichte ist der Beter des Psalms 139 überzeugt, dass er mehr ist als nur ein Teil der biologischen Gattung Mensch: „Denn Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter … Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet.“

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Ich wünsche Ihnen bei der Beantwortung dieser Frage das Vertrauen, dass Sie einen Platz im Herzen Ihrer Angehörigen und Freunde hatten, haben und haben werden, und das Vertrauen, dass Sie in Gott „versteckt“ waren, sind und sein werden. Versteckt aber nur im Sinne des ersten Johannesbriefes: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.“


Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Hubertus Rath

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