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Worum es geht

Pastor Peter Lauschus

„Gemeinschaftliche Feier der Versöhnung mit Bekenntnis und Lossprechung des einzelnen“ So lautet der sperrige Titel im Ritualteil „Die Feier der Busse“ für das, was wir begehen wollen. Getrennt ist es bekannt: Der Bußgottesdienst  in der Fastenzeit oder dem Advent begegnet uns seit einer ganzen Reihe von Jahren regelmäßig im Verlauf des Kirchenjahres. Und auch das Angebot der Beichte wird immer wieder gemacht.

Aber beides verbinden? Hat das einen Sinn? Ja, sehr wohl! Der Bußgottesdienst ist die Diagnose, die Beichte die vielleicht notwendige Therapie. Zwar können wir auch im einfachen Bußgottesdienst durch Reue und guten Vorsatz Vergebung von Sünden erlangen. Aber die Lossprechung in der Beichte ist umfassender, tiefer und vielfach auch hilfreicher, denn sie wird mir ganz persönlich zugesprochen. Ich begegne dem barmherzigen Vater in der Person des Priesters und er sagt mir seine Vergebung fest zu. Ohne Wenn und Aber mit der Sicherheit eines Sakramentes.

Was hindert uns, dieses Angebot anzunehmen? Denn man muss ja einfach sagen: Das Bußsakrament ist in der Krise. Kaum einer geht noch regelmäßig, selbst die jährliche Beichte in der Osterzeit ist fast ausgestorben. Viele haben den Faden verloren. „Ich habe ja nichts Schlimmes gemacht!“ ist eine oft gehörte Begründung. Als ob die Beichte erst ab Mord und Totschlag notwendig wäre. Der verstorbene Weihbischof Rinteln schreibt in seiner Autobiographie, dass er manchmal einfach zur Beichte gegangen ist, obwohl er nichts zu beichten hatte, nur um die Lossprechung zu erhalten. Er tat es nicht aus Angst oder weil er auf Nummer sicher gehen wollte, sondern weil er merkte, wie gut es ihm tat, die Barmherzigkeit Gottes zu erfahren und wie es ihm half, diese Barmherzigkeit weiterzugeben.

Vielleicht sind sie schon lange nicht mehr zu Beichte gegangen und denken: „Das dauert zu lange und an alles erinnere ich mich gar nicht mehr!“ So eine ausführliche Lebensbeichte kann sehr gut sein, dem Leben eine Wende geben, oder zumindest neue Kraft für das Leben geben, aber sie ist gar nicht gefordert, jedenfalls nicht als erster Schritt (Und in dem angebotenen Rahmen auch gar nicht machbar). Diese Lebensbeichte gehört zur geistlichen Begleitung und in einen intensiven und länger andauernden Prozess. Hier geht es nur darum wieder einmal Erfahrung mit der Vergebung Gottes zu machen, sie zu spüren und aus ihr Kraft zu schöpfen.

Der Bischof von Augsburg Konrad Zdarsa hat in seinem diesjährigen Hirtenbrief zur Fastenzeit eine mögliche Beichte vorgeschlagen: „Meine letzte Beichte war zur Firmung… Ich kann die ganze Zeit gar nicht mehr überblicken. Aber ich möchte einen neuen Anfang machen, möchte von Gott Vergebung empfangen und mehr nach seinen Geboten leben. Bitte helfen sie mir.“ Das ist gut biblisch: Jesus vergibt den Sündern nicht nach einem ausführlichen Bekenntnis, sondern wenn er ihren Willen zur Umkehr sieht. Aber natürlich, wenn mir etwas auf der Seele liegt, eine konkrete Sache, dann kann ich sie auch benennen. Denn das Aussprechen kann zum Heilungs- und Bekehrungsprozess gehören. Vollständigkeit ist nicht erforderlich, nur Ehrlichkeit. Bewusst etwas zu verschweigen geht da nicht. Und meine Erfahrung ist, wenn ich etwas bewusst in der Beichte nicht gesagt habe, blieb ein schaler Geschmack zurück. Wenn mir nach der Beichte etwas wieder einfiel, dass ich gern gesagt hätte, aber ehrlich vergessen hatte, blieb die Freude.

Ich kann sie nur einladen: Nehmen sie das Angebot wahr! Versuchen sie es.

Mfg Peter Lauschus, Vikar

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