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„Zelt der Völker“ („Tent of Nations“)
auf Dahers Weinberg

Gemeindereferentin Bilinda Jungblut

Im letzten Pfarrbrief habe ich Ihnen Herrn Daoud Nassar – evgl. Christ und Friedensaktivist – aus Bethlehem vorgestellt. Heute möchte ich etwas genauer auf sein Projekt „Zelt der Völker“ eingehen.

Als Verantwortlicher für die Jugend der evgl. Gemeinde Bethlehems machte Daoud Nassar die Erfahrung, dass die friedliche Zusammenführung von palästinensischen und jüdischen Jugendlichen in gemeinsamen Feriencamps im Ausland (z.B. Schweiz, Deutschland) mit viel Geduld und Verständnis für die je andere Seite möglich war.

Diese Erfahrung ließ in ihm die Idee reifen: Das muss doch auch im eigenen Land gelingen!

So begann er 2000, den Weinberg seines Großvaters Daher so herzurichten, dass dort Menschen aus den verschiedensten Ländern, Kulturen und Religionen lernen konnten, sich gegenseitig zu achten und wertschätzend miteinander umzugehen.

Neue Bauten zu errichten, wurde ihm untersagt. Deshalb renovierte er das vorhandene Gebäude und brachte dort einen Küchen- und einen Sanitärbereich unter. Die Wasserfrage löste er durch große Zisternen und legte auch die Stromversorgung zunächst unter die Erde. Später installierte Rupert Neudeck mit seinen „Grünhelmen“ Solarstrom. Zwei Höhlen auf dem Gelände wurden zu Meditationsräumen umgestaltet und ein Campingplatz errichtet. Jahre später baute er eine weitere Höhle aus, die seitdem den verschiedenen Gruppen als Konferenzraum und Treffpunkt dient, in der Vorträge oder Workshops stattfinden.

Neben einem Essplatz vor der Höhle wurde auch ein kleiner Laden mit eigenen Produkten eingerichtet.

Aktion "Zelt der Völker"

Da es in Bethlehem keine Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche gab, lud er zunächst diese jungen Menschen seiner Heimatstadt zu verschiedenen altersgemäßen Aktivitäten ins „Zelt der Völker“ auf dem Weinberg ein. Sein Ziel: Kinder und Jugendliche sollten wenigstens ab und zu aus der täglichen Trostlosigkeit, Angst und Lethargie herauskommen und ein Stückchen Lebensqualität erfahren.

Aus diesen ersten Anfängen entwickelten sich feste, regelmäßige Kinder- und Jugendgruppen, denen sowohl religiöse und soziale als auch Freizeitangebote gemacht wurden. Gleichzeitig lud Daoud Nassar vor allem junge Leute aus allen Nationen ein, eine Zeitlang mit Palästinensern auf dem Weinberg zu leben und zu arbeiten. Und er hatte Erfolg damit. Gruppen aus aller Welt – selbst immer mal wieder israelische – versammelten sich im „Zelt der Völker“.

In der Nähe Bethlehems gibt es große Flüchtlingslager. Auch diese Familien vergaß er nicht. Im Sommer 2009 schrieb mir Daoud Nassar:

„Im Juli veranstalteten wir während zwei Wochen unser siebtes Sommerlager mit dem Titel „Die Natur ins Leben integrieren, Hoffnung lernen, Frieden pflanzen“. Die 40 teilnehmenden Kinder aus Ortschaften und Flüchtlingslagern aus dem Raum Bethlehem erfreuten sich an verschiedenen Workshops und Spielen, die von internationalen und palästinensischen Volontären geleitet wurden. Das Lager war ein Riesenerfolg. Das abschließende Fest am letzten Tag hat die Vision des Lagers tatsächlich in seiner Gesamtstimmung widergespiegelt – nämlich, dass sich die Kinder mit ihrem Land verbunden fühlten und sich motiviert und stolz zeigten, was sie erreichen konnten.“

Seine Frau Jihan bindet sich ebenfalls in die Projektarbeit ein. Daneben führt sie im Dorf Nahalin Computer- und Englischkurse für Frauen durch, um ihnen eine Perspektive zu bieten.

Baumpflanzaktion

Ein Teil des Weinberges wird bewirtschaftet. Daoud hat dort Weinstöcke, Oliven- und Mandelbäume angepflanzt. Einerseits kommt es immer wieder vor, dass israelische Siedler diesen landwirtschaftlichen Teil verwüsten, andererseits helfen ihm Mitglieder der israelischen Friedensbewegung bei der Olivenernte.

Sein Traum ist es, bald mit einem Berufsausbildungszentrum für nachhaltige Landwirtschaft und weitere Bildungsstränge zu beginnen: Dazu schreibt er:

„Unabhängig von der politischen Situation wollen wir fortfahren, die neue Generation auf eine bessere Zukunft vorzubereiten und Menschen motivieren, eine aktive Rolle in ihrer Gesellschaft zu spielen. Wir wollen stets die Hoffnung am Leben erhalten, unsere Stimme für Gerechtigkeit erheben, die Friedensbotschaft weiter geben und immer wieder sagen: ‚Wir weigern uns, Feinde zu sein.’ Glaube, Hoffnung und Liebe sind die Fundamente unserer Arbeit.“

Mit unserer Baumpflanzaktion (Spende: 10,-- € für einen Baum) am 26./27.03. möchten wir uns im Pastoralverbund mit Daoud Nassar solidarisch wissen und ihm Mut machen, seine engagierte Arbeit für eine gerechte und friedliche Zukunft im Hl. Land fortzusetzen. Über das nächste Wochenende hinaus ist es möglich, im Pfarrbüro „Zum verklärten Christus“ zu den Öffnungszeiten in der gesamten Fastenzeit eine Baumspende abzugeben. Für Ihre Spende wird wirklich ein Baum auf Dahers Weinberg gepflanzt. Dies wird Ihnen bestätigt durch ein Zertifikat.

Daoud Nassar betont, dass jeder gepflanzte Baum für die dortigen Menschen ein Symbol der Hoffnung auf Frieden im Land der Bibel ist. Bäume sind auch Symbole für das Leben der Projekte „Zelt der Völker“ und „Dahers Weinberg“. Beide Projekte sind bestrebt, Menschen verschiedener Kulturen zusammenzuführen, um Brücken der Verständigung, der Versöhnung und des Friedens zu schlagen.

Ferner begrünen Bäume das karge Land und tragen so zur Umweltverbesserung bei. Und noch ein - vielleicht der wichtigste - Aspekt: Ist das Land der Palästinenser bepflanzt, wird die Enteignung durch den israelischen Staat schwieriger.

Es hat mir sehr viel Freude gemacht, ihnen von Daoud Nassar und seinem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit zu berichten. Die Baumpflanzaktion möchte ich Ihnen sehr ans Herz legen.

 

Eine gute Woche

Ihre Bilinda Jungblut, Gemeindereferentin.

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