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Zölibat und Weinbergarbeiterentlohnung

Diakon Guido Schütte

Vor drei Jahren wurde im Paderborner Dom ein Ehemann und Familienvater zum Priester geweiht. Diese kleine Sensation ist von der Öffentlichkeit interessanterweise kaum wahrgenommen worden. Der Mann war vorher evangelischer Pfarrer und bekam nach dem Übertritt in die Katholische Kirche eine päpstliche Ausnahmegenehmigung (einen Dispens).

Wenig später trat im Ruhrgebiet ein Pfarrer vom Priesteramt zurück. Er war ebenfalls evangelisch getauft, aber schon als junger Mann zur Katholischen Kirche konvertiert, hatte den Zölibat versprochen und bis zu seinem Rücktritt weitgehend unauffällig als Seelsorger gewirkt. Die Weihe eines verheirateten Vaters empfand er mit Hinweis auf seinen eigenen Lebensweg als Zumutung, die er nicht mittragen wollte.

Wir zählen nach: Ein evangelischer Pfarrer weniger, kein katholischer Priester mehr. Keine schöne Bilanz.

Mich erinnert dieser Vorfall an das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1-16): Ein Gutsbesitzer wirbt am frühen Morgen Arbeiter für seinen Weinberg an. Tageslohn: Ein Denar. Über den Tag wirbt der Gutsbesitzer weitere Arbeiter an, die letzten noch eine Stunde vor Arbeitsende. Schließlich erhalten alle den gleichen Lohn: Einen Denar. Schon gibt es heftigen Protest von denen, die seit dem Morgen gearbeitet haben. Darauf der Gutsbesitzer: „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“

Ich muss immer wieder schlucken, wenn ich dieses Evangelium höre. Das soll Gerechtigkeit sein? Warum kann der Gutbesitzer nicht einfach einen gestaffelten Lohn auszahlen? Oder eben: Warum muss der eine den Zölibat versprechen, für den anderen wird aber eine Ausnahme gemacht? Und wer will sich nach solchen Zumutungen schon mit einem „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ abspeisen lassen?

Eine tragfähige Antwort finden wir nur aus der Demut heraus. Demut zeigt jemand, der seinem Gott das rechte Augenmaß in der Zumessung der Dinge zugesteht. Eine demütige Einschätzung geht davon aus, dass es gute Gründe dafür gibt, wer unter welchen Umständen in ein Amt berufen wird. Und wer zustimmt, der muss es auch so tragen. Aber Demut kann man nicht erzwingen. So weist das obige Beispiel darauf hin, dass die zurzeit heftig diskutierte Reform der Weihevoraussetzungen allerlei Überraschungen mit sich bringen kann.

Nur: Sind geänderte Weihevoraussetzungen überhaupt nötig, um die Kirche kraftvoll und lebendig zu erhalten? Will uns der Heilige Geist mit den Zeichen der Zeit vielleicht deutlich machen, dass die Aufgaben in der Kirche breiter gestreut werden sollen?

Das letzte Konzil ist sehr umsichtig mit diesen Fragen umgegangen, indem es das Amtsgefüge behutsam „nach unten“ reformiert und gleichzeitig alle Getauften in die Verantwortung für das Ganze gerufen hat. Die meisten Aufgaben in der Kirche müssen gar nicht (mehr) von Priestern erledigt werden. In unserem Pastoralverbund sehe ich an vielen Stellen entsprechende Aufbrüche!

Ich meine, wir sollten zunächst einmal die Wege, die uns das Konzil eröffnet hat, beherzt gehen und das kirchliche Leben unter den gegebenen Rahmenbedingungen wieder in Schwung bringen. Darin steckt auch Demut. Bestimmt wird ein solches Tun überzeugende Früchte tragen – eine denkbare Frucht könnte die Zunahme der Berufungen sein…

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

 


Zum Verhältnis zwischen dem gemeinsamen Priestertum und dem Dienstpriestertum empfehle ich das Gründonnerstagsschreiben 1989 von Papst Johannes Paul II. an die (Dienst-) Priester, das auch alle wesentlichen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu diesem Thema zitiert. Den Wortlaut finden Sie hier. Und Erzbischof Hans-Josef Becker schreibt in seinem Fastenhirtenbrief 2011: "Ich lade Sie ein, mit mir den 50. Jahrestag des Konzilsbeginns im kommenden Jahr zum Anlass zu nehmen, uns neu auf die Ergebnisse und Folgen dieser bedeutenden Kirchenversammlung zu besinnen. Mit den Früchten des Konzils im Gepäck können wir den Aufbruch in die Zukunft wagen!"

 


Den gesprochenen Text dieses Beitrages finden Sie hier.

 

 

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