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Zur Mitarbeit berufen

Diakon Gottfried Rempe

Am 5. Sonntag der Osterzeit wird in der Liturgie die erste Lesung jeweils der Apostelgeschichte (Apg 6,1-7) entnommen. Die Kirche besinnt sich auf ihre Anfänge. Sie tut das in der Überzeugung, dass diese apostolische Zeit bis heute maßgebend ist. Der Blick auf die ersten Gemeinden ist nicht nur für Theologen interessant, sondern für alle, denen heute an lebendigen Gemeinden liegt. Es sieht so aus, dass zunächst alles an den 12 Aposteln hing. Sie waren die höchsten Autoritäten, selbstverständlich auch für den bekehrten Paulus. Zu ihren Aufgaben gehörte der soziale Dienst, z. B. die Versorgung der Witwen in den christlichen Gemeinden. In dieser Sorge wollten sich die christlichen Gemeinden, denen keine Rechte zugestanden wurden, von der jüdischen Gesellschaftsordnung unterscheiden. Aber wie es in jeder Gruppe passieren kann, entstanden Rivalitäten innerhalb der christlichen Gemeinden. Es lief nicht alles so vorbildlich wie gedacht. Die Gleichbehandlung ohne Rücksicht auf die Herkunft gelang nicht. Bei der Versorgung der Witwen wurden die bevorzugt, die aus dem Judentum zur christlichen Gemeinde gekommen waren. Somit begehrten die Hellenisten (die Gruppe der griechisch sprechenden Juden) gegen die Hebräer (Gruppe der aramäisch sprechenden Juden) auf -  eine Zerreißprobe für die Gemeinden. Beide Gruppen waren Christen.

Deshalb beriefen die 12 Apostel eine Vollversammlung der Christen ein, um zu einer tragfähigen Lösung dieses Problems zu kommen. Aus der Not heraus wurde ein Schritt nach vorne gewagt. Die Apostel sahen ein, dass sie in Zukunft nicht weiter alles tun konnten wie bisher. Sie durften die Ausbreitung des Christentums nicht gefährden durch zu große Reibungsverluste im innerkirchlichen Bereich. Die Glaubwürdigkeit der Botschaft Christi mit dem Markenzeichen „Seht, wie sie einander lieben“ sollte nicht durch innerkirchliche Vernachlässigungen in Frage gestellt werden. Die Lösung wurde in einer klaren Aufgabenstellung und Neuordnung gefunden. So erklärten sich die Apostel für die Feier der Liturgie und die Verkündigung des Wortes Gottes zuständig und gaben den sozialen „Dienst an den Tischen“ ab. Dafür sollten 7 geeignete Männer gewählt werden. Ihre Namen sind bis heute bekannt, besonders Stephanus, der als erster den Märtyrertod sterben sollte. Die Übertragung der Aufgabe geschah nicht in Form einer Arbeitsplatzbeschreibung/Funktionsbeschreibung, sondern durch Gebet und Handauflegung der Apostel. Das sind bis heute Zeichen, die deutlich machen, dass es bei dieser Beauftragung nicht nur um eine innerkirchliches Geschehen geht, sondern um eine Berufung durch Gott, die dem Kandidaten die nötige Kraft und Autorität „von oben“ für seinen Dienst gibt. Der neue Dienst des Diakons war entstanden!

Nach der Lösung des Konflikts hatten die Apostel wieder Herz und Hände frei, sich ihrer Hauptaufgaben zuzuwenden, nämlich das Wort Gottes zu verkünden und mit den Gemeinden das Brot zu brechen. Es heißt am Ende der ersten Sonntagslesung: „Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer.“

Es wird höchste Zeit, dass auch unseren Priestern wieder mehr Freiraum für ihre eigentliche Aufgabe bleibt, die nicht zeitraubend in der Erledigung bürokratischer Vorgänge besteht, sondern in der Seelsorge, in der Verkündigung des Wortes Gottes und der Feier der Eucharistie in und mit der Gemeinde!

Damit das möglich wird, ist es aber auch notwendig, dass sich in unseren Gemeinden Menschen finden, die sich engagieren, die Aufgaben übernehmen, auch wenn ihnen nicht die Hände aufgelegt werden, die ernst genommen und anerkannt werden, nicht nur „7 Männer“, sondern auch Frauen und junge Menschen! Im Herbst sind Pfarrgemeinderatswahlen - eine gute Gelegenheit, sich in die Aufgaben der Gemeinden einbinden zu lassen. Allen, die dazu bereit sind, möchte ich Mut machen und denen danken, die sich schon jetzt in unseren Gemeinden engagieren!

Es grüßt Sie herzlich
Gottfried Rempe, Diakon

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