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Zwischenzeit

Diakon Manfred Lohmann

In diesen Wochen feiern wir im Kirchenjahr die Osterzeit. Diese 50 Tage von Ostern bis Pfingsten sind ein wunderbarer Ausdruck der Freude darüber, dass Jesus an seinem eigenen Leib gezeigt hat, unübersehbar für alle Welt, dass das Leben stärker ist als alles, was es bedroht. Selbst der Tod kommt nicht gegen das Leben an. Sich darüber zu freuen und groß und lange zu feiern gehört wesentlich zu unserer Religion. Das Christentum ist der unzerstörbare Glaube an das Leben.

Was aber taten damals die Jünger Jesu, seine Mutter und seine Brüder, die Frauen, die zu seinem Kreis gehörten? Darüber steht in der Bibel fast Widersprüchliches. Einerseits dürfen sie Jesus immer wieder sehen, wenn sich der Auferstandene ihnen zeigt. Und es heißt dabei oft, dass sie sich darüber freuten.

Andererseits führt diese Freude sie jedenfalls nicht dazu, sich auf die Straßen zu wagen und Zeugnis abzulegen von Jesus, der den Tod besiegt hat. Dies taten sie erst nach dem Pfingstereignis. Die Zeit nach seiner Auferstehung bis zum Empfang des Heiligen Geistes war für Jesu Freundinnen und Freunde und seine Familie eher eine Zwischenzeit, sie schwankten zwischen Glauben und Zweifel, zwischen Freude und Angst. Erst durch die Kraft des Heiligen Geistes verflogen alle Zweifel und alle Ängste.

Unser Leben als Christinnen und Christen in dieser Welt heute ist letztlich dieser Zwischenzeit damals ganz ähnlich. Auch wir sind oft am Schwanken zwischen Glauben und Zweifel, Freude und Angst. Genau das aber bedeutet Glauben.

Der Glaube ist etwas Lebendiges, Bewegliches; er ist nicht starr und unverrückbar. Letztlich bedeutet Glauben: eine lebendige Beziehung mit diesem Gott einzugehen. Und wie jede Beziehung zu einem Menschen ständiger Veränderung unterliegt, so ist es auch mit meiner Beziehung zu Gott: da fühle ich mich IHM ganz nahe und darf vielleicht sogar spüren, wie ich von IHM getragen bin; und dann gibt es wieder Zeiten, da fühle ich gar nichts und zweifle gar an seiner Existenz.

All dies gehört zu einem lebendigen Glauben dazu. Schließlich ist unsere ganze Welt gekennzeichnet durch ihre Endlichkeit. Eine absolute Sicherheit werden wir in unserem irdischen Leben nie finden, so wie es in dieser Welt auch keine wirklich selbstlose Liebe, ja überhaupt nichts Perfektes gibt. All dies ist allein Gott und seinem Reich vorbehalten.

Wir Menschen bleiben unser Leben lang Suchende und Fragende - und das ist auch gut so, denn genau das hält uns und damit auch unseren Glauben lebendig. Das Leben in dieser Welt bleibt eine Zwischenzeit, bis unser endgültiges Leben bei Gott beginnt.

 

Manfred Lohmann, Diakon

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