Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

... und Gott, was Gott gehört.

Sonntag für Sonntag

 

Liebe Mitchristen,

die aktuelle Finanzkrise bestimmt derzeit die Meldungen, Meinungen und Nachrichten dieser Tage.

Auch das heutige Evangelium scheint bei diesem brisanten Thema zu bleiben: „Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?“, wird Jesus gefragt.
Bei dieser Frage erinnerte ich mich zunächst an einen „Schwarzarbeiter“, der der sich über den schlechten Zustand unserer Straßen beklagte und dazu noch meinte, dass es in unserem Krankenhaus viel zu wenig Personal gibt. Am Fiskus würde er sich mit allen Mitteln vorbeidrücken und dem Staat so wenig wie möglich geben wollen. Natürlich weiß auch ich, dass mit unseren Steuergeldern nicht immer korrekt umgegangen wird.

Ob dieser „Schwarzarbeiter“ nicht gemerkt hat, dass er selbst das „Übel“ ist. Denn wie sollen denn unsere Straßen erneuert werden, mehr Personal im Krankenhaus angestellt werden, wenn wir nicht bereit sind, auch unseren Teil an Steuern über unseren Arbeitslohn, über die Krankenversicherung abzugeben.

Wenn mein Beitrag an die Krankenversicherung von meinem Konto abgehoben wird, dann tut das mir nicht weh, denn ich weiß, dass ich damit anderen helfen kann.

Wenn der Steuerbescheid kommt, dann tut mir das nicht weh, weil ich weiß, dass damit der Staat auch viele gute Sachen mit unterstützt, von denen ich ja letztlich auch selber profitiere.
Unser „Schwarzarbeiter“, war zunächst etwas erstaunt über meine Reaktion, mit der er nicht gerechnet hatte.

So sind wir? Aber Gott sei dank nicht alle, denn unsere gesamte Gesellschaft würde zusammenfallen wie ein Kartenhaus.
Angesichts der Finanzkrise fiel mir auch das Wort Jesu ein: „Sammelt nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel…“ Der sogenannte Schatz, den sich viele Menschen angehäuft haben, hat sich als eine spekulative Luftblase des Casino-Kapitalismus enttarnt und die „Diebe“, scheinen sich sogar in die beste Gesellschaft der Banker eingeschlichen zu haben. Die Gier nach Geld ist eine teuflische Sucht. Maßlosigkeit und Gier haben die Turbulenzen ausgelöst. Wer bei Geld das Maß verliert, der wird damit auch sein Geld verlieren. Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört… und Gott, was Gott gehört.

Wo aber beginnt die Vernunft des Geldes – und wo endet sie?
Das ist die große Frage, die sich jetzt viele stellen. Wie vernünftig ist es zum Beispiel, wenn die einfachen Steuerzahler, die wir sind, am Ende die Zeche auch jener bezahlen, die sich bereits großzügig bedient haben.

Andererseits: Wie vernünftig wäre es, die Unterstützung der von Pleite bedrohten Staaten und Banken zu verweigern mit dem Risiko, dass vieles zusammenbricht und die Ärmeren dann noch schlimmer darunter leiden als jene, die ihr „Schäflein“ längst im Trockenen haben?

Allerdings wirft das große Geld beziehungsweise der Mangel an Geldfluss nicht nur finanztechnische Fragen auf, sondern auch religiöse: Woher nehmen wir eigentlich unsere Vertrauen gegenüber dem Materiellen, dass allein durch das Materielle offenbar gar nicht gedeckt ist?

Eine Lehre können wir jetzt schon ziehen: Nicht Geld arbeitet, sondern der Mensch. Er braucht das Geld, um sinnvoll arbeiten zu können.

Auch wissen wir bereits aus der Bibel: Gott segnet nicht das Geld, sondern den schaffenden Menschen. Der Mensch ist und bleibt der große Reichtum, das einzige und wahre Kapital Gottes. 

Manfred Lohmann , Diakon

11.890.890  Besucher seit 09.2009